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Plenzdorfs Berlin (Blogempfehlung)

Literatur ist Geschichte, Literatur ist Politik. Gerade wenn man deutschsprachige Texte der letzten Jahrzehnte liest, hält die polit-historische Deutung eines Werks eine klare Wirkung auf den Leser bereit.

Einer der vielleicht größten Polit-Kritiker war Ulrich Plenzdorf, der in seinen Texten nicht nur das DDR-Regime aufs schärfste kritisiert hat, sondern auch mit subtilen Mitteln diese Kritik gekonnt verschleiert hat. Zwar ist Plenzdorf mehr als „Die neuen Leiden des jungen W.“ oder „Die Legende von Paul und Paula“- letzterer war ein großer DEFA-Filmerfolg in den ausgehenden 70ern – dennoch kommt man gerade bei Plenzdorf um diese beiden Titel einfach nicht herum. Doch wie war das eigentlich zu DDR-Zeiten in Berlin? Für mich als nach der Wende geborene Westdeutsche kaum vorstellbar.

In diesem Sinne möchte ich euch gerne auf den Blog von Jana Weiß verweisen, die sich mit Ulrich Plenzdorfs Berlin und auch noch einigen anderen Berliner Autoren auseinandergesetzt hat! Hier geht’s zum Plenzdorf-Artikel

Arbeit Arbeit

So sind schon wieder ein paar Wochen vergangen – die Semesterferien sind zuende und der böse Alltag geht wieder los…naja nicht ganz. Ich habe gerade begonnen meine Bachelorarbeit im Bereich Neuere Deutsche Literatur zu schreiben, und habe noch 5,5 Wochen Zeit mir ein wenig Wissen anzueignen, und anderes, irgendwann Gelerntes nochmal aus mir herauszuprügeln. Mein Thema dreht sich ganz um die Wechselwirkung von Rahmen- und Binnenerzählung in Erzähltexten (primär Kunstmärchen) der Romantik…also eigentlich genau mein Ding. Ein wenig Angst, das Ganze nicht zu packen ist jedoch trotzdem da – immerhin habe ich bisher noch nie im Leben einen für mich so wichtigen Text verfasst. Naja, da ich nachts besser arbeiten kann mache ich mich dann bald mal ans Werk 😉

Wenn ich Zeit habe, werde ich dann auch entsprechende Rezensionen zu meinen in der Arbeit behandelten Büchern schreiben 😉

Ein moralischer Querschnitt

Tolstoi - Anna KareninaLew Tolstoj zählt neben Dostojewski, Gogol, Puschkin und Tschechow zu den großen russischen Schriftstellern. Mit seinem Romanepos Anna Karenina setzte er in den Jahren 1873-1878 einen Meilenstein der Weltliteratur, der bis heute unglaubliche 14 mal verfilmt wurde, und mit seinen 1200 Seiten auf den ersten Blick relativ abschreckend wirkt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen 3 Ehen der russischen Adelsgesellschaft, in denen eben nicht nur gesellschaftliche, sondern auch emotionale Probleme zu bewältigen sind.

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Die Motten

Christa Wolf – das war doch eine Schriftstellerin der DDR und sicherlich eine der bekanntesten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwartsliteratur. Im Dezember 2011 ist sie im Alter von 82 Jahren verstorben, nun erschien ihre letzte Erzählung „August“ postum im Suhrkamp Verlag. Eine traurige, wenn auch schöne Geschichte über einen Jungen, der als Waise der NS-Zeit in einem Krankenhaus aufwächst.

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Kurzrezension: Franz Fühmann – Das Judenauto

Kennt ihr das, wenn ein Gerücht die Runde macht und die Leute einem praktisch alles glauben? Sicherlich. In der Kurzgeschichte „Das Judenauto“ von Franz Fühmann geht es um die Nachbearbeitung des Judenhasses im dritten Reich auf eine wirklich naive und kindliche Art und Weise.

Alles beginnt damit, dass ein Gerücht in der Schule die Runde macht – ein gelbes Auto, besetzt mit messerbewaffneten Juden fährt jeden Abend einen verlassenen Feldweg entlang, begegnet ihnen ein junges Mädchen, wird es in den Wagen gezogen, vergewaltigt und ermordet. Der Protagonist der Geschichte glaubt diesen Mythos auf Anhieb und begibt sich eines Abends in die Gegend, in der das sogenannte Judenauto immer umherfahren soll. Er sieht ein Auto, und nachdem er es kurze Zeit beobachtet hat, erkennt er in der Ferne, dass es sich in jedem Fall um das Judenauto handeln muss – immerhin ist es ja gelb. Er flüchtet vor dem Wagen, als dieser ihn verfolgt. Am nächsten Morgen ist eben genau dieser Vorfall das Gesprächsthema Nr. 1, er entpuppt sich jedoch als überraschend anders, und sorgt indirekt dafür, dass der junge Protagonist eine Neigung gegen Juden hat.

Meine erste Kurzgeschichte von Franz Fühmann, die nicht nur durch ihre Kürze, sondern auch durch den pregnanten Inhalt glänzt. Nichts ist so unschuldig wie ein Kind, und gleichzeitig doch so vorurteilbelastet und unwissend, sodass sich der Protagonist in der Handlung ideal für ein Exempel eignet. Die Geschichte liest sich flott und beschäftigt auch noch nach der Lektüre durch seinen allegorischen Wahrheitsgehalt.
Ein schöner Einstieg für eine Betrachtungsweise des Judenhasses nach dem 2. Weltkrieg zu Zeiten der DDR.