Projekt Gutenberg

Nachdem ich letztes mal schon ein wenig auf klassische Literatur eingegangen bin, und auch ein paar wenige Titel genannt habe, die ich als lesenswert empfinde, möchte ich hier das Projekt Gutenberg vorstellen.

Gutenberg gilt als europäischer Erfinder des sogenannten Wiegendrucks (Inkunabeldrucks) und hat die Buchkultur mit beweglichen Lettern revolutioniert. Und was ist Projekt Gutenberg? Ganz einfach, es ist nämlich ein Projekt vom Spiegel, in welchem unglaublich viel Literatur direkt und kostenfrei abgerufen werden kann.
Auf der Seite http://gutenberg.spiegel.de/ findet man nicht nur Goethe, Tieck oder Kant sondern auch klassische Literatur, bspw. von Sophokles, Platon und Homer. Das „Nachschlagewerk“ ist besonders praktisch für schnelles Nachschlagen, oder auch durchlesen von Texten die für das Studium benötigt werden.

Für Leute die gerne etwas „handfesteres“ für unterwegs haben wollen, gibt es die Möglichkeit das gesamte Projekt Gutenberg als DVD oder auf einem USB Stick zu bestellen. Der Preis von 30,90€/39,90€ ist meiner Meinung nach vollkommen gerecht.

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Hochliteratur heute

Goethe, Schiller oder sogar Kafka werden heutzutage von den meisten jungen Menschen wenn überhaupt noch als Schulliteratur wahrgenommen. So war es damals zumindest bei mir,ich kenne nämlich wahrhaftig niemanden in meinem Alter, der sich heute noch mit klassischer oder klassizistischer Literatur auseinandersetzt (außer er studiert Germanistik, da haben wir bei uns im Studiengang zumindest ein paar wenige Leute, die auch im Alltag Hochliteratur lesen).

Als ich in den letzten Semesterferien für einige Tage meine Eltern besucht habe, bin ich dann auch tatsächlich mal wieder mit meiner Mutter und meiner Schwester zu Dodenhof, einem großen Einkaufszentrum, mitten in der norddeutschen Pampa liegend, und neuerdings mit ganz vielen neuen Geschäften ausgestattet, gefahren. In dem Einkaufszentrum gibt es nun seit kurzem auch einen Thalia (jene ominöse Buchladenkette, die angeblich Scientology angehören soll).
Da ich aktuell wieder relativ viel lese, kamen wir natürlich an dem Thalia nicht vorbei, ohne durch die vielen Bücherregalreihen zu gehen…

Erster Stopp im Buchladen war natürlich direkt bei den Thrillern und Horrorbüchern, denn es gibt für mich nichts spannenderes als abends oder auf Zugfahrten einen guten Psychothriller zu lesen…mein Ziel war klar, ich wollte noch ein paar mehr Bücher von Sebastian Fitzek finden (ein, meiner Meinung nach grandioser deutscher Autor). Prompt nahm ich mir die beiden einzigen Thriller von Fitzek die dieser Thalia führte und die ich noch nicht gelesen hatte aus dem Regal und war mir sicher, dass mich diese beiden Bücher genauso packen würden, wie zB der Seelenbrecher, oder der Augensammler/Augenjäger.

Nachdem ich mir bereits 2 Bücher ausgewählt hatte, wollte ich mir danach auch noch ein wenig klassische Literatur zulegen (nicht etwa für’s Studium, sondern auch, weil ich Spaß am Lesen älterer Werke habe). Ich suchte also den kompletten Thalia Buchladen durch, und fand…rein gar nichts. Zumindest nichts klassisches…stattdessen stand ich vor einer Kinderspielwarenecke und blickte meine Mutter an, welche auf meine Frage, ob es hier auch Hochliteratur gäbe ein „sowas liest eben heute keiner mehr“ erwiderte.
Es gab in diesem ganzen Buchladen nicht einmal eine Ecke mit Reclamausgaben…auch literaturwissenschaftliche Bücher waren hier eher Mangelware.
Ich nehme einfach mal an, dass Thalia solche Literatur einfach nicht im Sortiment hat, weil sie sich heute nur noch sehr schlecht verkauft…Leute wollen Vampirromane und kitschige Liebesgeschichten, Kriminalromane und lustige Belletristik…schade, wirklich.

Es gibt wundervolle Werke aus vergangenen Jahren, die auch für „Laien“ wundervoll verständlich und keinesfalls zu alt sind um sie als langweilig zu empfinden. Hier einmal ein paar Werke, die ich selbst schon gelesen habe, und die ich wärmstens empfehlen kann (gerade da sie wirklich nicht teuer sind, und sich ein Kauf somit in jedem Fall lohnt).

Traumnovelle
Der Sandmann
Die Verwandlung: Leipzig 1916
Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie: Eine Kindertragödie. Zürich 1891
Tonio Kröger / Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis.

Die Diskussion zu „Was gesagt werden muss“

Das kürzlich von Günter Grass veröffentlichte Gedicht „Was gesagt werden muss“ ging in den letzten Tagen durch die Medien wie keine andere literarische oder politische Publikation.
Ich habe die Diskussion die letzten Tage mitverfolgt und mich auf dem laufenden gehalten, nicht nur, weil Günter Grass Literaturnobelpreisträger ist, sondern auch, weil er eine einschlägige Vergangenheit in der Waffen-SS hatte (was ja selbst schon vor einigen Jahren zu einem Skandal geführt hat).

Keine Frage, Werke wie „Die Blechtrommel“ zählen als literarische Meisterwerke, dennoch rückt das veröffentlichte Gedicht den Autor in sehr schlechtes Licht.

Link zu dem Gedicht

Das, was für viele Menschen auf den ersten Blick als fremdenfeindliches Statement gesehen wird (selbst wenn Grass beteuert selbst viele Juden zum Freund zu haben), wirkt in meinen Augen viel mehr als Statement zum Schicksal des Deutschen in der Gegenwart. Es geht meiner Meinung nach nicht alleine darum, dass es einen Krieg zwischen Israel und bspw. dem Iran geben wird, sondern darum, dass es einem Deutschen heutzutage nicht mehr erlaubt ist, seine eigene kritische Meinung gegenüber einem (jüdischen) Staat offen kundzutun und diesem Staat etwas vorzuwerfen, was möglicherweise sogar eintreffen könnte.
Es geht darum seine eigene Meinung zu sagen, eben das, was gesagt werden muss.
Sicherlich wäre das Gedicht nicht so auf Widerstand geprallt, wenn Grass sich eine andere politische Thematik, bzw. eine, die nicht so aggressiv gegen Israel vorgeht, ausgesucht hätte.

Hellseherei trifft auf Serienmörder

Der Augensammler spielt ein raffiniertes Spiel mit seinen Opfern, und bisher hat auch noch niemand herausgefunden, um wen es sich bei diesem Serienmörder handelt. Er bringt Mütter um, entführt ihre Kinder und gibt deren Vätern ein Zeitlimit, um diese zu finden und zu befreien.
Alexander Zorbach ist ehemaliger Polizist und arbeitet aktuell als Journalist für eine Berliner Zeitung. Als er eines Tages mit seinem Sohn Julian für wohltätige Zwecke ein städtisches Krankenhaus besuchen will, merkt, dass sein Portemonaie verschwunden ist, und sich daraufhin zurück zu seinem Auto begibt, um dieses zu suchen, ahnt er nicht, dass er in wenigen Sekunden den Polizeifunk hören wird, der ihn später selbst zum Hauptverdächtigen macht.

Auf der späteren Flucht vor der Polizei trifft er „zufällig“ auf die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriew die -angeblich- in ihrer Praxis auf den Augensammler gestoßen ist, und anhand einer Berührung seine bisher verübten Taten nacherleben konnte.

So unrealistisch der Einstieg in Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“ scheinen mag, so dramatisch und kalkuliert wird der Leser in eine mörderische Geschichte katapultiert. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen, ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, weil nach jedem (doch recht kurzen Kapitel) die Lust da war zu erfahren, wie es weiter geht, und ob Alexander Zorbach es schafft, vor Ablauf des Zeitlimits die Opfer des Augensammlers zu befreien. Durch die countdownartige Seitenzählung wird dem Leser klar, dass er der Lösung des Falles immer näher kommt.

Die Geschichte begeistert von Beginn bis zum Ende, auch wenn die Ermittlungen Zorbachs stets auf Mutmaßungen basieren. Selbst er schafft es nicht der „sehenden Blinden“ vollkommen zu vertrauen und dennoch ist es die einzige Möglichkeit etwas über den Augensammler in Erfahrung zu bringen. Auch die Tatsache, dass Alina Gregoriev die Vergangenheit durch bloße Berührung sehen kann scheint zwar zunächst eher wie ein Hirngespinst, um den Mysteryfaktor anzuheben, dennoch birgt ihre Fähigkeit ein böses Geheimnis.

Dieser Psychothriller, fortgesetzt mit „Der Augenjäger“ bietet Spannung pur, und sollte ganz dringend gelesen werden.

Hier gehts zum Buch bei Amazon.de Der Augensammler: Psychothriller

Bib: Fitzek, Sebastian: Der Augensammler: Psychothriller. München 2010.

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