Archiv der Kategorie: Kurzgeschichte

Wie das Leben so spielt

Murakami-Maenner-CoverDer Meister der „long short story“ – dem Literaturnobelpreis-Anwerter Haruki Murakami- ist nach den Pilgerjahren des farblosen Herrn Tazaki mit seinem Erzählband Von Männern die keine Frauen haben zurück in Deutschlands Buchhandlungen. Doch was kann dieses hochwertig aufgemachte Buch, welches recht zeitnah von Ursula Gräfe übersetzt wurde, und sieben neue Kurzgeschichten enthält? Ein kleiner Einblick:

Wie das Leben so spielt weiterlesen

Advertisements

Ein Hauch von Depression

81we9JbrdWL._SL1500_Alice Munro erhielt im vergangenen Oktober den Nobelpreis für Literatur. Ein Grund, sich eines ihrer Bücher zu schnappen und einige ihrer Kurzgeschichten zu lesen. Mit dem Buch „Himmel und Hölle“ habe ich versucht einen Einblick in die Munro’sche Erzählweise zu erlangen, und wurde mit einigen wertvollen Kurzgeschichten belohnt, von denen ich im Folgenden einige kurz vorstellen möchte.

Ein Hauch von Depression weiterlesen

Traum oder Wirklichkeit

Der Sandmann ist eine Erzählung, die in die Psyche des Protagonisten eindringt, und dem Leser selbst die Wahl lässt, ob das, was dieser erlebt Traum oder Wirklichkeit ist. Ich persönlich habe die Erzählung bereits mehrfach gelesen und möchte hier nun eine etwas längere Rezension vorstellen, die eine recht große Inhaltsangabe mit sich trägt. Wer den Sandmann bereits gelesen hat kann den ersten Teil der Rezension getrost überspringen ^^ Traum oder Wirklichkeit weiterlesen

Poe legt zu scherzen auf

Mit der doch sehr amüsanten und vor allem gesellschaftskritischen Kurzgeschichte „Streitgespräch mit einer Mumie“ hat sich Edgar Allan Poe wohl einen sehr lustigen Scherz erlaubt.
Alles fängt (mal wieder) mit einem namenlosen Protagonisten an, welcher an dem aktuellen Abend ausnahmsweise früh zu Bett gehen wollte. Doch dann wird er geradewegs von einem gewissen Dr. Ponnonner (welch ein Wortspiel „upon hour“) geweckt, der kürzlich die Erlaubnis bekommen hat einen vor 8 Jahren gefundenen Sarkophag zu öffnen, in dem sich eine Mumie befindet.
Unser Protagonist wird also, neben ein paar weiteren Personen die im archäologischen Bereich arbeiten, gerufen, um dieses Spektakel mitzuerleben.

Poe legt zu scherzen auf weiterlesen

Von Liebe und Hass


Mit der 1843 publizierten Kurzgeschichte „Das verräterische Herz“ schildert Edgar Allan Poe einen eher ungewöhnlichen Mord bzw. den Bericht eines Verrückten.

Viele Morde werden aus Wut, Hass und Habgier begangen, sie haben einen böswilligen Hintergedanken, der oftmals plausibel begründet werden kann. In der Kurzgeschichte „Das verräterische Herz“ trifft der Leser jedoch auf eine Straftat, die lediglich auf Äußerlichkeiten beruht. Von Liebe und Hass weiterlesen

Ohne Ausweg

Stell dir vor, du wirst zu Tode verurteilt und fällst nach der Verkündigung des Urteils in Ohnmacht. Nach einiger Zeit, du weißt nicht wie lange du nicht bei Bewusstsein warst, wachst du in einem dunkeln Raum auf, in dem kein Licht ist, deine Arme sind gefesselt. Du tastest dich entlang der Wände, welche dir zeigen, wie groß dieser Raum ist, aus dem du scheinbar nicht mehr herauskommst.
Du fällst hin, dein Kinn landet auf dem harten Boden – doch der Rest deines Kopfes ragt über einen tiefen Abgrund. Ohne Ausweg weiterlesen

Hinter geschlossenen Türen

Kurzrezension: Mit der Kurzgeschichte „Die Morde in der Rue Morgue“ schafft Edgar Allan Poe im Jahre 1841 die erste Detektivgeschichte.

C. Auguste Dupin ist ein Mensch mit unglaublich guter Aufnahmefähigkeit, er beobachtet und kombiniert, und kann so mit viel Scharfsinn die eigentümlichsten Kriminalfälle aufdecken.
Unser Protagonist lebt derzeit in Frankfreich und bezieht mit einem neu gewonnenen Freund ein Haus in der Hauptstadt Paris, als er einen Bericht über einen Doppelmord in der Zeitung liest. Der Fall handelt von zwei Frauen, Mme Esplanaye und ihrer Tochter, die beide mit hoher Gewalteinwirkung in ihrer Wohnung im vierten Stock umgebracht wurden. Der Raum war verschlossen, sodass sich nicht erklären lässt, wie der Mörder aus der Wohnung fliehen konnte ohne entdeckt zu werden – denn kurze Zeit später wurde sich bereits von einigen Ohrenzeugen und der Gendarmerie Zugang zum Raum verschafft. Dupin, der sich durch die Zeugenaussagen einen Eindruck vom Geschehen machen konnte, erhascht daraufhin einen Blick auf den Tatort. Durch einzelne Hinweise, die selbst sein Freund nicht im ersten Moment wahrnimmt, kommt er zu dem Fazit, dass kein Mensch diese Greueltat vollbracht haben kann, sondern ein übermächtiges Tier – ein Orang-Utan.

„Die Morde in der Rue Morgue“ stellt die erste richtige Detektivgeschichte der literarischen Neuzeit dar, und gilt als Inspirationsquelle für weitere Kriminalgeschichten wie bspw. die Sherlock Holmes Fälle des Autors Sir Arthur Conan Doyle. Zudem trifft der Leser hier erstmals auf das Prinzip des „Mordes im geschlossenen Raum“, was den Fall in jedem Fall sehr rätselhaft und mysteriös wirken lässt. Auch diese Technik findet sich heute in vielen Detektivgeschichten wieder. Die Aufklärung des Mordes mag dennoch verwirrend sein – denn kein normaler Mensch geht davon aus, dass ein entlaufener Orang-Utan eine solch schreckliche Tat vollbringt. Poe zeigt hier, dass er nicht ausschließlich gruselige Gothic-Geschichten schreibt, sondern auch eine gut kalkulierte Kriminalgeschichte mit einem interessanten Plot präsentieren kann.

Die Literatur bei Amazon:
Sämtliche Erzählungen in vier Bänden: Vier Bände im Schuber (insel taschenbuch)
Kostenlose Kindle-Edition
Die Morde in der Rue Morgue (gebunden)