Archiv der Kategorie: Krimi

Mehr als ein Gänseblümchen

In Kristina Ohlssons Roman „Tausendschön“ wird einem viel geboten, denn in dem aktuellen Krimi um die Kriminologine Fredrika Bergmann und das Team des Kommissars Alex Recht geht es dieses mal über den Handlungsrahmen Europa heraus. Die Autorin selbst ist praktisch vom Fach, immerhin arbeitet sie für das schwedische Außen- und Verteidigungsministerium und kennt sich sicherlich auch mit Immigration aus – dem zentralen Thema dieser Geschichte.

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Es war einmal…

„Schwedenkrimis“ sind ja vor allem in den letzten Jahren zum wahren Erfolgshit mutiert nicht zuletzt nach Stieg Larssons „Millenium Trilogie“-Boom. Der Kriminalroman „Aschenputtel“ der schwedischen Autorin Kristina Ohlsson ist ebenso ein Buch, welches nicht nur in Schweden zum Bestseller wurde. Wo es anfangs nur um Kindesentführung geht, geht es später um Mord und Rache, und das Team um den Ermittler Alex Recht und die Kriminologin Fredrika Bergmann tappt sehr lange Zeit im Dunkeln.

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Hinter geschlossenen Türen

Kurzrezension: Mit der Kurzgeschichte „Die Morde in der Rue Morgue“ schafft Edgar Allan Poe im Jahre 1841 die erste Detektivgeschichte.

C. Auguste Dupin ist ein Mensch mit unglaublich guter Aufnahmefähigkeit, er beobachtet und kombiniert, und kann so mit viel Scharfsinn die eigentümlichsten Kriminalfälle aufdecken.
Unser Protagonist lebt derzeit in Frankfreich und bezieht mit einem neu gewonnenen Freund ein Haus in der Hauptstadt Paris, als er einen Bericht über einen Doppelmord in der Zeitung liest. Der Fall handelt von zwei Frauen, Mme Esplanaye und ihrer Tochter, die beide mit hoher Gewalteinwirkung in ihrer Wohnung im vierten Stock umgebracht wurden. Der Raum war verschlossen, sodass sich nicht erklären lässt, wie der Mörder aus der Wohnung fliehen konnte ohne entdeckt zu werden – denn kurze Zeit später wurde sich bereits von einigen Ohrenzeugen und der Gendarmerie Zugang zum Raum verschafft. Dupin, der sich durch die Zeugenaussagen einen Eindruck vom Geschehen machen konnte, erhascht daraufhin einen Blick auf den Tatort. Durch einzelne Hinweise, die selbst sein Freund nicht im ersten Moment wahrnimmt, kommt er zu dem Fazit, dass kein Mensch diese Greueltat vollbracht haben kann, sondern ein übermächtiges Tier – ein Orang-Utan.

„Die Morde in der Rue Morgue“ stellt die erste richtige Detektivgeschichte der literarischen Neuzeit dar, und gilt als Inspirationsquelle für weitere Kriminalgeschichten wie bspw. die Sherlock Holmes Fälle des Autors Sir Arthur Conan Doyle. Zudem trifft der Leser hier erstmals auf das Prinzip des „Mordes im geschlossenen Raum“, was den Fall in jedem Fall sehr rätselhaft und mysteriös wirken lässt. Auch diese Technik findet sich heute in vielen Detektivgeschichten wieder. Die Aufklärung des Mordes mag dennoch verwirrend sein – denn kein normaler Mensch geht davon aus, dass ein entlaufener Orang-Utan eine solch schreckliche Tat vollbringt. Poe zeigt hier, dass er nicht ausschließlich gruselige Gothic-Geschichten schreibt, sondern auch eine gut kalkulierte Kriminalgeschichte mit einem interessanten Plot präsentieren kann.

Die Literatur bei Amazon:
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Kostenlose Kindle-Edition
Die Morde in der Rue Morgue (gebunden)

Radfahrender Geschichtsdozent trifft Indiana Jones

Achtung! Folgenden Text habe ich für eine Anmeldung für einen Kurs für literaturkritisches Schreiben an der Philipps-Universität Marburg (SS2012) angefertigt. Sollte mein Seminarleiter den Text hier finden: doch den hab ich selbst geschrieben und nicht von dieser Seite geklaut 😉 Und nein, die Rezension ist nicht perfekt…but who cares?

Die Jagd auf Müller hat begonnen

Alle suchen sie nach Atlantis, und wenn ihnen das zu langweilig wird befassen sie sich eben mit Troja. Dr. Richard Romanoff, seines Zeichens freier Historiker, Dozent und Artefakt-Jäger mit einer politisch recht einschlägigen Vergangenheit, langen Haaren und übernatürlicher Körpergröße, ist dieses Thema leid. Dennoch muss er sich zwangsweise wieder mit dieser Thematik befassen als er von seinem Kunden, dem Anwalt Peter Welsch-Gruinert, engagiert wird den Todesfall seines Freundes Gunter Steenbergen zu untersuchen. Für den Anwalt ist klar, die CO²-Vergiftung des Umweltmanagers am Totenmaar war kein Unfall, es war Mord.

So ungewöhnlich der Ermittler in diesem skurrilen Krimi ist, so nah ist der Leser auch dem Mörder – Müller genannt – auf der Spur. Doch wer ist Müller, und wieso hat er es sich ausgerechnet zur Aufgabe gemacht einen Umweltmanager geschickt mit Kohlenstoffdioxid in einem pfälzischen Vulkangebiet zu ermorden? Eines ist klar, Müller ist ein unauffälliger IT-Mitarbeiter eines Energiekonzerns und weiß wie er Menschen in seiner Umgebung täuschen kann, sodass selbst Romanoff sich dem Übeltäter unmittelbar nähert aber ihn dennoch nicht enttarnt. Monika Geiers „Müllers Morde“, 2011 erschienen im Argument Verlag, handelt nicht einfach nur von einem sinnvoll kalkulierten Mord sondern gleichzeitig von der Planung eines schweren Kapitalverbrechens und der stets existierenden Frage, was Müller will, wieso er mordet und ob Romanoff es wirklich schafft ihn zu finden und festnehmen zu lassen.

Die Autorin schafft die Möglichkeit sowohl die Handlungen des Ermittlers als auch die des Mörders zu verfolgen, sodass der Leser sich ganz klar vor Augen führen kann, wie nah die beiden einander sind, ohne, dass diese es auch nur erahnen können. Über Müller erfährt der Leser im Verlauf des Buches kaum persönliche Details, er bleibt stets der „Unbekannte“, dessen Name natürlich nicht nur Müller ist, und der nach und nach versucht seine Spuren zu verwischen, um den Todesfall Steenbergens auf keinen Fall auf sich zu lenken. Das Einzige was wir nach und nach über Müller erfahren ist, dass er für dieselbe Firma arbeitet wie sein Opfer, und gleichzeitig unglaubliche Hackerfähigkeiten an den Tag legt. Müller arbeitet gekonnt ohne auf sich aufmerksam zu machen, er ist unscheinbar – wie sein Name. In einigen Textpassagen trifft der Leser auf einige interviewartige Sequenzen, die ein Interview zwischen Müller und einem Unbekannten darstellen – hier erfährt man etwas mehr über Müllers Absichten und einen Teil seiner Persönlichkeit.

Von Romanoff erfährt der Leser jedoch viel mehr, vor allem über sein Leben und seine Lebensansichten, seine Vergangenheit und seinen Beruf, was ihn in diesem Fall sehr sympathisch macht, gerade da er in diesem Kriminalroman einen eher untypischen Ermittler darstellt.

Die Autorin Monika Geier greift in Müllers Morde nicht nur das immer wiederkehrende Thema der versunkenen Stadt Atlantis auf, sondern setzt sich gleichzeitig auch mit der Aktualität der Umweltpolitik, ihren Gefahren und einer gefährlichen Intrige in einem Energiekonzern auseinander, eine Thematik mit der sie sich im Bereich der Belletristik auf recht neues Terrain begibt. Gleichzeitig schafft Geier es, durch den Perspektivwechsel von Ermittler/Mörder eine unglaubliche Spannung aufzubauen und den Leser in ihren Bann und den der Geschichte zu ziehen.

Das Buch selbst liest sich sehr flüssig und ist auch für den Laien der nicht viel von Umweltpolitik oder Emissionspapieren versteht gut verständlich. Von Beginn bis hin zum Ende des Buches verfolgt die Autorin eine klare, spannende und vor allem gut konzipierte Linie, bei welcher der Ermittler Romanoff es zwar schafft, Müller zu Beginn der Erzählung sehr nahe zu kommen, diese heiße Spur jedoch nicht verfolgt – Geier schafft es so den Leser permanent an das Buch zu fesseln, bis er der Lösung des Falls wieder nahe kommt und den vermeintlichen Mord aufklären kann.

Bibliographie: Geier, Monika: Müllers Morde. Argument Verlag. Hamburg 2011.
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