Archiv der Kategorie: Gegenwartsliteratur

Wie das Leben so spielt

Murakami-Maenner-CoverDer Meister der „long short story“ – dem Literaturnobelpreis-Anwerter Haruki Murakami- ist nach den Pilgerjahren des farblosen Herrn Tazaki mit seinem Erzählband Von Männern die keine Frauen haben zurück in Deutschlands Buchhandlungen. Doch was kann dieses hochwertig aufgemachte Buch, welches recht zeitnah von Ursula Gräfe übersetzt wurde, und sieben neue Kurzgeschichten enthält? Ein kleiner Einblick:

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Zwei Welten

Anna ist anders. Nicht etwa weil sie anders aussieht, sondern weil sie in einer Gesellschaft lebt die nicht zu ihr passt. Ihr Vater hat sich umgebracht, ihre Mutter ist in einem Pflegeheim und unsere Protagonistin ist, nachdem sie aus Südafrika wiedergekehrt ist, mit dem schnöseligen Journalisten und Arbeitskollegen Ludwig zusammengekommen, der eigentlich gar nicht zu ihr passt und der die Beziehung aber lieber geheimhalten möchte.
Annas Leben ist nicht perfekt, und sie tut auch nicht so als wäre es auch nur annähernd perfekt.

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So richtig Horrorshow

Wenn Alex sich etwas in seinen Gulliver setzt, dann setzt er es in die Tat um, und so macht er mit seinen Drooks nicht nur, wie es sich für einen anständigen Maltschik gehört, seine Stadt unsicher, um an etwas Deng zu kommen in dem er alte Fecken tollschockt. Doch alles ändert sich, als er ausversehen eine alte Gina ermordet und von seinen Drooks der Millizent ausgeliefert wird.
Keine Sorge, der Rest der Rezension wird nicht weiter in Nadsat, dem fiktiven Jugendslang aus Anthony Burgess Roman „Clockwork Orange“, geschrieben.

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Ein stiller Dialog

Eine Rezension für die Chaoschallenge:
16. …lese ein Buch, auf dessen Cover eine blonde Frau ist.

Ingeborg Bachmanns Prosaroman „Malina“ ist in erster Linie eines – verwirrend. Innerlich mit der Zerrissenheit der namenlosen Protagonistin kämpfend, stellt dieser Roman für mich in erster Linie eine Leere da, die sich nicht nur durch die mögliche gespaltene Persönlichkeit des Hauptcharakters darstellt, sondern gleichzeitig mit dem Schicksal einer jungen Wienerin auseinandersetzt, die sich selbst als verrückt bezeichnet. „Wenn es anfängt ist die Welt schon durcheinandergekommen, und ich weiß, dass ich wahnsinnig bin.“

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Die Begegnung zweier Seelen

Milena Michiko Flašar schafft mit „ich nannte ihn Krawatte“ einen ehrlichen und realistischen Roman

Der zwanzigjährige Japaner Taguchi Hiro lebt zwei Jahre lang ohne sozialen Kontakt zur Außenwelt in seinem Zimmer und beobachtet die Welt lediglich aus seinem Fenster. Er ist ein sogenannter Hikikomori.  Als er sich erstmals aus seinem dunklen Zimmer heraus traut begibt er sich in den städtischen Park und trifft dort jeden Tag auf einen krawattentragenden Büroangestellten, der von morgens bis abends auf der gegenüberstehenden Parkbank sitzt und Zeitung liest oder sein mitgebrachtes Essen verspeist. Beide sitzen sich lediglich gegenüber und ohne den Namen des Mannes zu wissen nennt er ihn intuitiv „Krawatte“. Nach einiger Zeit kommen die beiden Charaktere in ein vorerst zurückhaltendes Gespräch, später berichten sie einander über ihre Erlebnisse. Die Begegnung zweier Seelen weiterlesen