Mehr als ein Gänseblümchen

In Kristina Ohlssons Roman „Tausendschön“ wird einem viel geboten, denn in dem aktuellen Krimi um die Kriminologine Fredrika Bergmann und das Team des Kommissars Alex Recht geht es dieses mal über den Handlungsrahmen Europa heraus. Die Autorin selbst ist praktisch vom Fach, immerhin arbeitet sie für das schwedische Außen- und Verteidigungsministerium und kennt sich sicherlich auch mit Immigration aus – dem zentralen Thema dieser Geschichte.

Nachdem sich Fredrika Bergmann in „Aschenputtel“ bereits ein Baby gewünscht hat, startet der neue Roman mit ihrer Schwangerschaft und ihrem langjährigen Liebhaber Spencer, trotzdem arbeitet sie immer noch, immerhin gibt es für das Team von Alex Recht wieder viel zu tun. Nachdem ein Mann, Jakob Ahlbin, nach der Nachricht des Todes einer seiner Tochter nicht nur sich selbst sondern auch seine Frau erschießt, kommt die Frage auf, ob es sich nicht vielleicht doch um Mord gehandelt hat. Gleichzeitig wird ein vollkommen unscheinbarer Einwanderer vor einer Bank von einem Auto überfahren. Und am offensichtlich anderen Ende der Welt – in Bangkok wird eine junge Frau mit offensichtlichem Geheimauftrag ihrer Identität beraubt. Wer jetzt meint, dass dieser Stoff vollkommen zusammenhangslos ausgewählt wurde irrt, denn insgesamt hängt doch wieder alles irgendwie zusammen, auch wenn es dem Ermittlerteam vorerst nicht gelingt die Verknüpfungen zu erfassen, vor allem weil sie die Frau in Bangkok offiziell für tot gehalten haben.

Mehr will ich zum Inhalt gar nicht sagen, außer, dass es hier nicht nur um organisiertes Verbrechen im großen Stil geht, sondern auch zeitgleich die Rolle einer Familie und ihren Bekanntenkreis eine sehr wichtige Rolle in diesem Kriminalroman spielt. Kristina Ohlsson gelingt es in „Tausendschön“ das Thema illegale Einwanderung gekonnt in Szene zu setzen, und das nicht nur aus Sicht von Immigrationshelfern sondern auch durch einen Flüchtling, der auf eine neue Methode nach Schweden befördert wird und auf ganz besondere Weise dafür zahlen muss. Das Buch ist spannend, dennoch sind es am Ende einfach zu viele Verbindung zwischen den einzelnen Personen, die am Anfang noch ganz harmlos schienen, und nun wie ein wirres Netz aus Ratlosigkeit dastehen. Außerdem besteht Verwechslungsgefahr, denn wer behauptet, dass die Tochter von Jakob Ahlbin wirklich tot ist? Und wo ist ihre Schwester, die sie ja offiziell ins Krankenhaus gebracht hat?

Sprachlich ist die Übersetzung vielleicht etwas zu umgangssprachlich gestaltet, gleichzeitig findet man einige wenige fehlerhafte Satzkonstellationen, wo das Lektorat wohl ein wenig geschlampt hat. Dennoch ist der Kriminalroman „Tausendschön“ inhaltlich deutlich besser als sein Vorgänger „Aschenputtel“ und zeigt, dass die Autorin langsam aber sicher immer besser schreibt. Die Thematik ist ungewohnt, dennoch findet man sich als Leser schnell in das Geschehen ein und fiebert mit – gleichzeitig geht es aber auch wieder um die Privatleben der Ermittler, die auch dieses Mal einige interessante Überraschungen bergen. Wem die Bücher gefallen darf sich freuen – eine Fortsetzung ist in Schweden bereits erschienen.

Bibliographie
Titel: Tausendschön
Autor: Kristina Ohlsson
Verlag: Limes Verlag
Format: Gebundener Einband
Preis: 19,99€
ISBN: 3809025925
Amazon: Tausendschön: Thriller

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