Sie redet, er hört zu

Was ist schon eine perfekte Ehe? Jill, gläubige Radio-Eheberaterin und verheiratete Ehefrau, glaubt dies ganz genau zu wissen – immerhin hat sie nun auch ein Buch über ihre perfekte Ehe mit ihrem Mann Jack geschrieben, mit dem sie bald auf große Lesereise quer durch die USA reist. Doch aus heiterem Himmel verlässt der Göttergatte die selbstsichere Jill, welche nun mit einer Ehekriste ihr Buch bewerben soll und anderen Frauen Tipps geben soll, wie sie eine so vollkommene Ehe führen können. Keine leichte Aufgabe, doch gleichzeitig auch eine Herausforderung in die sie sich erst hineinfinden muss.

Ja, der Roman „Sage nicht Lebwohl“ von Sally John klingt auf Anhieb wie ein Buch, in dem eine Frau einen Neuanfang zu starten versucht und auch neue Seiten an sich erkennt, eine Frau mit Vorbildfunktion, die ihre Kraft aus dem christlichen Glauben schöpft und ihren Mann praktisch ziehen lässt. Es wäre so schön gewesen, aber nein, letztendlich funktioniert dieser Roman nicht so…immerhin steht nicht lange zur Debatte, dass der allmächtige Gott ihr irgendwie durch diese Situation verhilft. Zu einem Neuanfang kommt die Protagonistin nur leider nicht, denn nach dem Zusammenbruch vor einer Horde Jill-Fans wird sie von ihrer besten Freundin und ihrer Schwester Viv wieder aufgepäppelt um Jack dazu zu bewegen mit ihr doch in eine Eheberatung zu gehen. Jill weiß ja, dass so eine Eheberatung wichtig ist, und darum ist es auch essentiell, dass sie und ihr Noch-Ehemann unbedingt dahin gehen müssen – er will aber nicht. Er hat aber auch einen triftigen Grund, immerhin hat er vor einem überstandenem Autounfall im Radio von Jills Buch und den pikären Details über ihre Ehe erfahren, die er dann doch lieber nicht in der Öffentlichkeit vernommen hätte.

Was ist also dieser Roman? In erster Linie eine Geschichte über eine Frau, die sich durch den Aufbau einer Karriere die Ehe zerstört hat, ohne es bis zum entscheidenden Moment überhaupt gemerkt zu haben. Gleichzeitig ist es aber auch eine Geschichte, in der eine Frau zu ihrer Familie zurückfindet, und versucht über einen solchen Einschnitt über ihr Leben hinweg zu kommen, auch wenn sie hier ebenso auf leichte Kritik bezüglich ihres Buches stößt. Der Glaube an Gott schwingt in diesem Buch fortwährend mit, sodass es in diesem Buch unglaublicher Weise nur einen einzigen Atheisten gibt – und der ist ausgerechnet der Ehemann der Schwester Jills, der selbst alles andere als ein „perfekter Ehemann“ dargestellt wird.
Was die Autorin Sally John wirklich toll gemacht hat, ist aufzuzeigen, dass es keine perfekten Ehen gibt, auch wenn diese vor der Gesellschaft als schnörkellos und vollkommen stehen, obwohl die Autorin doch eher altertümliche Ansichten über die Geschlechterrollen in der Ehe hat. Insgesamt ist diese Geschichte leider unglaublich langweilig, die einzig „spannende“ Stelle ist ein Busunfall, dessen Unglück (der Tod der gläubigen Rentnerin Agnes) bereits nach wenigen Seiten fast schon in Vergessenheit gerät, Jills Vater glänzt mit vollkommen sinnfreien Sätzen wie „Gott liebt dich, darum hat Jack dich verlassen“, und anstatt das Jill sich umorientiert und versucht einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, oh Wunder, kommt sie doch irgendwie wieder mit Jack zusammen – und das ganz alleine durch Gottes Hilfe. Jacks Begründung Jill vorerst zu verlassen ist im Übrigen vollkommen vorhersehbar.

Leider konnte mich der Roman nicht wirklich überzeugen, der Sprachstil war mir etwas zu flach (kann aber auch an der Übersetzung gelegen haben), die Handlung ist doch irgendwie nur mal wieder ein konventionelles Happy End in dem es eben mit einem Neuversuch weitergeht, in der nun jeden Tag etwas mehr an der gemeinsamen Ehe gearbeitet wird, inhaltlich gab es keine besonderen Höhepunkte, und trotz der Moralbotschaft in diesem Buch, findet man hier nichts herausragend Neues.

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Ein Gedanke zu „Sie redet, er hört zu“

  1. Die Rezension ist toll geworden! Ich schreibe selber gerade an einer Rezension zu dem Buch und werde das nicht so gut in Worte fassen können! Liebe Grüße!

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