Ein weinendes Lächeln

„Der Tod existiert nicht als das Gegenteil des Lebens sondern ist ein Bestandteil des Lebens“. Mit diesem Leitmotiv gestaltete der japanische Autor Haruki Murakami im Jahre 1987 seinen Roman „Naokos Lächeln“, welcher auf den ersten Blick zwar wie eine simple Liebesbeziehung eines Studenten zu zwei unterschiedlichen Frauen zu sein scheint, in Wirklichkeit jedoch philosophische Poesie ist, die die Probleme eines jungen Studenten aufzeigt.

Toru Watanabe beginnt nach dem Selbstmord seines besten Freundes Kizuki ein Studium in Tokio. Als er dort auf dessen Exfreundin Naoko trifft entwickelt sich aus einer gemeinsamen Freundschaft eine eher komplizierte Affäre. Da Naoko den Tod Kizukis jedoch nicht verarbeiten kann begibt sie sich nach einer gemeinsamen Nacht mit Watanabe in ein Pflegeheim in Kobe. Toru besucht seine Schulfreundin, doch gleichzeitig lernt er in Tokio die extrovertierte Midori kennen, zu der er vorerst auch nur eine Freundschaft aufbaut – aus dieser bildet sich nach einiger Zeit jedoch ebenfalls eine Liebesbeziehung. Der Protagonist, der in diesem Roman aus der Retroperspektive von seinem Verhältnis zu der introvertierten und psychisch labilen Naoko und dem Kennenlernen seiner neuen Bekanntschaft berichtet, steht im gesamten Roman zwischen beiden Frauen und schildert unverblümt seine Erfahrungen während seines Studiums.

Wer nun glaubt, dass es sich in diesem Roman um eine reine Liebesgeschichte handelt irrt, denn schließlich sind die beiden Frauen in Watanabes Leben nur die Symbolträger für die Unentschlossenheit eines jungen Studenten, der sich nicht sicher ist, ob er seine Vergangenheit abstreifen kann um sich der unberührten Zukunft zu widmen. Die kranke Naoko charakterisiert die Vergangenheit, die den unverarbeiteten Tod des gemeinsamen Freundes Kizuki immer noch mit sich trägt und sich erst nach einiger Zeit in psychologische Behandlung begibt. Hier, abgeschottet von der Außenwelt, versucht Naoko ihre Vergangenheit zu verarbeiten, scheitert jedoch kläglich. Auf der anderen Seite steht Midori, mit der Watanabe anfangs nichts als eine Freundschaft verbindet. Sie schließt Watanabe trotz festem Freund in ihr Privatleben ein, eröffnet ihm ihre vollkommen andere Welt und ebnet ihm den Weg der Zukunft. Der Roman, welcher in den 60er Jahren in Japan spielt zeigt die Probleme eines verwirrten Charakters auf, der praktisch mitten im Leben steht und sich nicht zu entscheiden weiß.

Gewohnt verträumt schafft Murakami dem Leser eine Welt, in der westliche Werte auf die asiatische Kultur treffen, besonders durch intertextuelle Bezüge zur europäischen Literatur gelingt es dem Autor eine zeitlose Geschichte zu verfassen in der es um mehr als nur Liebe geht. Der Roman „Naokos Lächeln“ liest sich wie die tragische Geschichte des Scheiterns, in der selbst in euphorischen Momenten stets Melancholie mitschwingt. Der Autor, welcher mit „Naokos Lächeln“ weltweit bereits über 13 Millonen Bücher verkauft hat, stand am vorigen Donnerstag in der engeren Auswahl für den Literaturnobelpreis, welcher jedoch an den Chinesen Mo Yan gegangen ist…Murakami schafft es immer wieder ernstzunehmende Literatur massentauglich zu machen, auch weil er in seinen Romanen großen Bezug auf die Literatur und Kultur des Westens nimmt. Der Roman liest sich gewohnt leicht, für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2011 wurden viele Dialoge direkt unverändert übernommen, sodass sich beim Lesen ein „das kenn ich doch“-Gefühl einstellt.

Bibliographie:
Titel: Naokos Lächeln
Autor: Haruki Murakami
Verlag: utb
Format: Taschenbuch
Preis: 10,00€
ISBN: 3442730503
Amazon: Naokos Lächeln: Nur eine Liebesgeschichte – Roman

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