Wenn der letzte Ton verschallt

Linna hat nach der Auflösung ihrer Band fünf Jahre nichts von ihren alten Freunden gehört als sie sich mit ihren alten Bandkollegen eher widerwillig auf eine alte Almhütte zwischen München und der österreichischen Grenze begibt. Hier wollen die Musiker für einen Auftritt gemeinsam proben, doch nicht nur, dass Linna seit fünf Jahren keine Note mehr gesungen hat, sondern auch, dass einer der Anwesenden es auf sie abgesehen hat, macht den Aufenthalt eher problematisch.

Die Geschichte um die Band „Linna singt“ ist sowohl ergreifend als auch schockierend, denn hier in der alten Berghütte lässt eine Person nichts ungeschehen um Linna scheinbar vor den restlichen Leuten bloßzustellen. Bettina Belitz lässt in ihrem Roman „Linna singt“ jeden verdächtig wirken und doch scheint niemand einen wirklich plausiblen Grund für diese Taten zu haben. Am liebsten wäre Linna gar nicht erst mitgefahren, doch sie muss dringend mit dem Gitarristen Falk über ihre gemeinsame Nacht reden. Schon bevor die Truppe am Ziel ankommt stellt die Sängerin fest, dass die anderen sich deutlich verändert haben und nicht mehr die alten sind, die sie einst glaubte zu kennen. Jules und die aggressiv wirkende Maggie sind verheiratet, Falk behauptet eisenfest die besagte Nacht mit Linna niemals erlebt zu haben, und auch der Bassist Simon scheint ein schweres Geheimnis mit sich herumzutragen. Um die Geschichte noch etwas anzuheizen begleitet der Roadie Tobi die Band, der nicht nur die bald zugeschneite Hütte als Probebereich stellt, sondern auch einen Narren an Linna gefressen hat.

Neben Nachrichten die einer der beteiligten Personen beinahe schon ketzerhaft gegen Linna an die Wand schmiert erwartet den Leser eine Intrige nach der anderen, feinstens darauf ausgelegt die Protagonistin bloßzustellen. Jeder könnte es gewesen sein, und bis zum Ende ist unklar, was es nun mit all den Gemeinheiten auf sich hat. Eines steht fest, jeder hat auf irgendeine Weise Dreck am Stecken oder birgt ein Geheimnis, was bestenfalls keiner der anderen erfahren soll.
Neben anfänglichen Streitereien raufen sich die fünf bzw. sechs Personen wieder zusammen, und merken, dass die einzige Lösung der Probleme darin besteht, sich miteinander auszusprechen, denn in der zugeschneiten Hütte bleibt ihnen keine andere Wahl, vor allem da alle Handys verschwunden sind und keine Hilfe geholt werden kann.

Der Autorin Bettina Belitz, die im Verlag Script5 nun schon ihren vierten Roman vorlegt, nutzt jede Gelegenheit um Linna mit ihrem geheimen Widersacher zu konfrontieren, sodass man nachvollziehen könnte, weshalb die Protagonistin den Schauplatz möglichst schnell verlassen will – anfangs wäre das noch gegangen, wäre der Schneefall nicht später zu stark gewesen… man fragt sich unweigerlich, ob Belitz mit diesem Roman nicht sogar ihre misanthropische Seite ganz klar betont und die Grenze vom Jugendbuch zur anspruchsvollen Literatur überschreitet. Die Handlung reißt den Leser mit, denn man will wissen was als nächstes geschieht, und ob es in dieser Szenerie nicht doch zu einem Todesfall kommt, und wann das Unheil endlich ein Ende nimmt.
Einzig und allein das Ende dieser fatalen und vor allem neugierig machenden Handlung ist leider etwas zu platt und vor allem vorhersehbar gestaltet worden. Auf eine mitreißende Geschichte folgt ein Schluss, der fast so scheint als seien der Autorin die Ideen ausgegangen. Nach kurzer Aussprache folgt ein Semi-Happy End. Ansonsten begeistert das Buch durch seine durchkonzipierte und vor allem ansprechende Handlung, und ist sicherlich nicht nur für Jugendliche interessant.

Bibliographie:
Titel: Linna singt
Autor: Bettina Belitz
Verlag: Script5
Format: Hardcover
Preis: 18,95€
ISBN: 3839001390
Amazon: Linna singt

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