Uhrwerk-Romanze par excellence

Das Cover verzaubert, die Geschichte ist märchenhaft. Im Jahre 1874, in der kältesten Nacht des Jahres, wird der kleine Jack in einem Turm in Edinburgh geboren, sein Herz ist eingefroren. Um dem Jungen das Leben zu retten setzt die Hebamme und Bastlerin Dr. Madelaine Jack eine hölzerne Kuckucksuhr ein. Seine Mutter verlässt ihn und seine Lebensretterin kümmert sich um ihn und erklärt ihm, dass er sich niemals verlieben dürfe, doch dann sieht Jack mit 10 Jahren erstmals seine große Liebe, die Tänzerin Miss Acacia.

Jack verliebt sich in das zierliche und vor allem tollpatschige Mädchen und überredet Dr. Madelaine die Schule zu besuchen, um seine große Liebe endlich wieder zu treffen – doch anstatt sie zu finden, wird er in der Schule gehänselt und schikaniert, und das ausgerechnet von Miss Acacias ehemaligen Liebhaber Joe. Nachdem Jack seinem Widersacher in der Schule ein Auge aussticht, muss er flüchten und begibt sich mit dem bekannten Filmemacher und Illusionisten Georges Méliès auf eine Reise nach Andalusien, um die Dame seines Kuckucksherzens wieder zu finden.

Der Roman „Die Mechanik des Herzens“ des französischen Autors und Musikers Mathias Malzieu begeistert nicht etwa durch seine Komplexität oder seinen nicht vorhandenen Authentizitätsanspruch, sondern durch kleine sprachliche und vor allem liebevoll gestaltete Details, die die Geschichte um Jack und Miss Acacia wie ein wahres Steampunk-Märchen wirken lässt. Dem Leser ist von Anfang an klar, dass eine Kuckucksuhr als Herzersatz vollkommen unmöglich ist, und auch die Warnung, dass Jack sich niemals verlieben dürfe macht eben nur auf den zweiten Blick Sinn – denn auf Glück und Hoffnung müssen eben manchmal auch Enttäuschungen folgen.
Die Geschichte, die keineswegs als glückliche Liebesgeschichte gesehen werden kann, richtet sich vor allem an junge Erwachsene und liest sich wie eine Geisterbahnfahrt ins Verderben, auch wenn das Streben nach Liebe immer im Vordergrund steht. Neben Georges Méliès und seiner zukünftigen Frau Jeanne (zwei Personen, die einem vielleicht auch schon aus dem Buch/Film „Hugo Cabret“ bekannt sein könnte) hat übrigens auch der gefürchtete Serienmörder Jack the Ripper einen Gastauftritt.

Der Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts spielt, fasziniert durch seine Einfachheit, seine Liebe zum Detail, den Problemen des Protagonisten seine Liebe für immer für sich zu behalten und der ewig währenden Frage wieso Dr. Madelaine ihm verboten hat sich zu verlieben. Man fühlt sich wie in die Welt eines Tim Burton hineinversetzt, eine Welt, in der das Fantastische mit dem Bedrohlichen einhergeht…der Autor nutzt seine erfindungsreiche Sprachgestaltung aus, um den Leser mit Neologismen und interessanten Metaphern zu begeistern.

Im Herbst 2012 wird es außerdem eine Verfilmung des Regisseurs Luc Besson geben, auf welche ich mich nach diesem Buch besonders freue.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an „carl’s books“.

Bibliographie:
Titel: Die Mechanik des Herzens
Autor: Mathias Malzieu
Verlag: Carl’s Books
Format: Paperback
Preis: 12,99
ISBN: 978-3-570-58508-5
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2 Kommentare zu “Uhrwerk-Romanze par excellence”

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