„Stolz und Vorurteil“ auf serbisch

Sneakreview zu „Parada“
Kinostart am 13.09.2012

Radmilo ist Tierarzt und schwul. Sein Partner Mirko, der hauptberuflich als Weddingplanner arbeitet, versucht in der serbischen Hauptstadt Belgrad eine Gay Pride Parade zu veranstalten. Die beiden stehen vor einem Problem, denn die Polizei will dieses „fragwürdige“ Event nicht absichern, doch Security ist bei den angekündigten Gewaltausbrüchen der Faschisten und Homo-Gegner in jedem Fall von nöten.

Um Mirko zu zeigen, dass er ihm unbedingt bei seiner Traumverwirklichung helfen will, fasst Radmilo den Plan den Schläger und Kriegsveteranen Limun anzuheuern, der neben einer Judoschule eine Securityfirma leitet. Natürlich hilft Limun dem Homosexuellen vorerst nicht freiwillig, doch Radmilo verspricht dem Judotrainer eine perfekte Hochzeit für ihn und seine Verlobte, veranstaltet und organisiert von seinem Partner.

Nun muss zu Limun gesagt werden, dass er selbst eher gegen Homosexualität ist, sein Sohn ist ein Schläger und Faschist und seine Securitymitarbeiter, allesamt Ex-Sträflinge, wollen die „Schwuchteln“ nicht unterstützen. In seiner Verzweiflung versucht Limun Radmilo zu einem „richtigen“ Mann umzuerziehen (was natürlich nicht klappt) und macht sich mit ihm auf eine Reise über die Grenze, hin zu den anderen damals beteiligten Ländern des Kosovokriegs, um hier Hilfe für die anstehende Parade zu finden.

Der Inhalt des Films „Parada“ des Regisseurs Srđan Dragojević behandelt das ernste Thema der immer noch großen Schwulenfeindlichkeit in Serbien mit viel Witz und Humor. Die wichtigen Charaktere sind unterschiedlicher wie sie nicht anders sein könnten – stereotypisch aber dennoch glaubwürdig – ein schwules Paar und ein proletischer Patriot, der sich wahrscheinlich nie hätte vorstellen können einmal Security bei einer Schwulenparade zu spielen. Diese Komödie spielt mit Klischees ohne Ende und zeigt sie letztendlich auf, dass auch Limun, der übrigens Filme wie Ben Hur liebt, doch einen weichen Kern hat und in Radmilo einen wahren Freund findet.
Nicht nur Fragen wie „wenn ein Adler Heroin schmuggelt, schmuggelt dein Kanarienvogel dann Extacy?“ erheitern in „Parada“ die Gemüter, sondern auch allgemein gängige Klischeewitze, nicht nur über Homosexuelle. Gleichzeitig hat der Film jedoch eine recht dramatische Komponente, die gegen Ende des Films ihren Höhepunkt nimmt, der Film kann also nicht vollkommen als Komödie angesehen werden – vor allem der Authentizitätsgehalt der Handlung sowie die politisch-gesellschaftliche Kritik steht immer ganz klar im Vordergrund.

Der Film ist genauso wie „Das Schwein von Gaza“ nicht zwingend ein Film, den ich mir ohne ihn vorher gekannt zu haben, im Kino angesehen hätte…dennoch bin ich froh, dass er in unserem Kino in der Sneak lief. Die Geschichte ist lustig und bewegt, das Thema bleibt dennoch ernst und interessant (wäre in dem Fall auch ein potentieller Film den man mit den Eltern sehen könnte). Der Film ist in Serbien übrigens schon am 31.Oktober 2011 angelaufen, und kommt nun nach einem ersten Vorlauf bei der diesjährigen Berlinale endlich auch in die deutschen Kinos.

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