Eine irreversible Erzählung

Den meisten mag „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ des Autors F. Scott Fitzgerald wohl eher als Film von David Fincher (Fight Club) bekannt sein, dennoch bildet die kurze Erzählung eine beinahe andere Lebensgeschichte des jungen, der als Greis geboren wird und als Baby stirbt. Schon beim Lesen wird klar, dass es sich bei dem Film keineswegs um eine richtige Adaption handelt, sondern viel mehr um eine freie Interpretation.

In Fitzgeralds Erzählung von 1922 erblickt der kleine junge Benjamin Button im Krankenhaus das Licht der Welt, seine Mutter stirbt bei der Geburt. Als sein Vater das Baby abholen möchte, und das Krankenhauspersonal schon nicht mit der Sprache herausrückt, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, kommen keine wirklichen Vaterfreunden auf. Vor ihm sitzt ein alter Mann, der auch als solch einer behandelt werden möchte…nach einigen Streitereien nimmt er das „Baby“ mit nach Hause und tauft ihn auf den Namen Benjamin. So ungewöhnlich Benjamin bei seiner Geburt war, so verkehrtherum verläuft auch sein Leben, denn er wird stetig jünger, sodass er sich zeitweilen auch immer mehr mit seinem Vater versteht. Die 18 Jahre spätere Einschreibung in die Uni verläuft dann allerdings nicht so wie geplant, denn wer glaubt denn schon, dass ein alt aussehender Mann erst 18 Jahre alt ist?
Auch lernt er später seine erste große Liebe kennen, die sowieso mehr auf ältere Männer steht, und so bekommt Benjamin später einen Sohn. Benjamin studiert bevor er überhaupt in die Schule geht, und vergisst nach und nach immer mehr was er je gelernt hat.
Alles endet damit, dass der alte Mann immer mehr zum Kleinkind mutiert, nicht nur geistig, sondern auch körperlich, bis er als Baby stirbt.

Im Leben von Benjamin Button gibt es einige Alterskonflikte, wie bspw. dass er immer jünger wird, während seine Frau und sein Sohn immer älter werden. Auch als er als kleiner Junge zurück in die Armee geladen wird, wird er nicht ernstgenommen und wieder nach Hause geschickt.
Die Erzählung wirkt unweigerlich sehr traurig, denn Benjamins Leben endet so, wie es hätte begonnen werden sollen, seine Bezugspersonen werden immer älter, am Ende ist es nur noch eine Amme, die sich um den kleinen Jungen kümmert. Doch auf einer gewissen Art und Weise hat es der Autor F. Scott Fitzgerald geschafft die Erzählung mit viel Sprachwitz auch etwas Komik einzuebnen, die das Leben Buttons dann doch etwas erträglich macht.

Das, was im Spielfilm „Das Leben des Benjamin Button“ aus dem Jahr 2008 gezeigt wird ist in erster Linie eine Verfilmung die auf die Tränendrüse drücken soll, und welche keineswegs den Charme und die Komik des Autors hervorhebt. Zwar wurde die Erzählung, welche ursprünglich im Band „Tales of the Jazz Age“ erschienen ist, in einer Zeit geschrieben, die wir heute noch einigermaßen nachvollziehen können, dennoch hat es sich David Fincher nicht nehmen lassen, die Geschichte etwas weiter in die Gegenwart zu rücken – eigentlich eher unnötig, ein Film im Stil der 20er wäre schön gewesen.

Bibliographie:
Titel: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Autor: F. Scott Fitzgerald
Verlag: Diogenes
Format: Taschenbuch
Preis: 6,90€
ISBN: 325723659X
Amazon: Der seltsame Fall des Benjamin Button

Advertisements

2 Kommentare zu “Eine irreversible Erzählung”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s