Einmal Hamburg und nie wieder

98 Jahre nach dem Ende der Welt. Viele Jahre in denen sich so einiges verändert hat und der Mensch beinahe vom Aussterben bedroht ist. Zarah ist eine Dämonin aus Hamburg und setzt sich aber in Nacht- und Nebelaktionen für die niederen Wesen ein, um sie vor den dämonischen Absichten zu schützen – bis ihr ein großer Fehler unterläuft. Der Inhalt von „Der Tag an dem meine Schwester zur Dämonin wurde“ der Autorin Olga A. Krouk wirkt wie ein vielversprechend dystopischer Fantasyroman, enttäuscht aber leider maßlos.

Das Buch hätte eine grandiose Dystopie werden können, in der einen nicht nur viel Witz sondern auch einige mystische Kreaturen erwarten hätten können, doch enttäuschender Weise versucht dieser Roman alles zu sein und ist doch praktisch nichts. Mir tut meine Kritik auch wirklich leid, aber das ist nun einmal meine Meinung. Die Handlung ist wirr, die Protagonistin zu undurchsichtig, und von der Schwester fehlt bis zum Ende leider beinahe jegliche Spur. Anstatt sich einem Fokus der eigentlichen Handlung zu schaffen passiert auf den knapp 450 Seiten einfach unglaublich viel, und das auch noch auf eine sehr abkürzende Art und Weise, sodass ich mir als Leser kaum festhalten konnte was denn nun eigentlich die zentrale Aufgabe Zarahs ist. Fest steht, dass sie eine Dämonin ist der ein Auftrag misslungen ist, sie wird verletzt ins Krankenhaus geliefert, ihr Gefährte Ash kehrt ohne ihr Wissen den Dämonen den Rücken zu und wir zu einem Engel. Zarahs Schwester Enya ist ein Mensch, sitzt im Rollstuhl und wird während ihrer Abwesenheit festgehalten.
Und dann gibt es noch Gallagher, welcher Zarahs Exfreund zu sein scheint, sich als Dämon tarnt und gleichzeitig ihr geheimnisvoller Auftraggeber ist.

Beim Lesen kommt man der Handlung einfach nicht hinterher, was vielleicht auch dem Schreibstil der Autorin zuzuschreiben ist…natürlich zeichnet sich ein Science Fiction Buch gerade dadurch aus, dass wenig erläutert wird und viele Sachverhalte nicht zusätzlich erklärt werden müssen (der Authentizität wegen), aber es kommen einfach Fragen auf wie: Wieso hat jeder Dämon einen menschlichene Zwilling? Was zeichnet Dämonen aus? Wieso stellt sich Zarah gegen die Dämonen?
Neben all diesen Dingen die sich als selbstverständlich erklären trifft der Leser auf unglaublich viele Charaktere, die nichts zum Fortschritt der weiteren Handlung beitragen, sodass man sich immer wieder fragt, was denn nun eigentlich Sinn und Zweck gewisser Aktionen der Charaktere ist. Neben dem Geschehen um Zarah in Hamburg und Umland wird man dann noch mit einer wieder aufkeimenden Liebe zwischen der Dämonin und ihrem Mentor und Exfreund Gallagher konfrontiert, die das Fass zum Überlaufen bringt, und als einziges Zarahs Gefühlswelt zum strahlen bringt.

Neben einigen grammatischen Fehlern, wo das Lektorat scheinbar nicht aufgepasst hat, findet man auch inhaltliche Ungereimtheiten, die auf mich nicht nachvollziehbar wirken. Ich habe mir allein im 25. Kapitel 3 größere inhaltlich sehr auffallende Dinge angestrichen, die alleine schon etwas merkwürdig wirken. Direkt zu Beginn schafft Zarah den angeschlagenen Gallagher in ein Boot…kaum beginnt die kurze Beschreibung der Fahrt sitzt die Protagonistin auch schon wenige „Sekunden“ später in einem Auto. Woher hat sie das Auto? Dann hat Zarah Angst, dass der Motor während der Fahrt ausfällt, sitzt aber bereits zwei Zeilen später auf einem Pferd und reitet weiter. Vielleicht ist dieses elipsenhafte Schreiben typisch für die Autorin, jedoch kann man sich hier nicht wirklich auf die aprupt verlaufende Handlung einlassen. Auf einer weiteren Seite trifft der Leser dann noch auf eine eher unnötige Wiederholung, die meines Erachtens nicht hätte wiederholt werden müssen – der Vorfall, dass ein Pferdehof von Dämonen überfallen wurde – hier hätte die Autorin wenigstens von der direkten in eine indirekte Rede wechseln können.

Der Roman glänzt ausschließlich mit seiner Unvollkommenheit und der Vielfalt an einfach zu vielen fantastischen Figuren. Anstatt sich lediglich auf den Konflikt zwischen den Menschen und den Dämonen zu konzentrieren trifft man nämlich auch noch auf Engel, Sirenen, einen Wassermann und eine schwule Fee…es ist einfach zu viel des Guten.
Vielleicht liegt meine Meinung einfach daran, dass ich nicht so sehr mit dem Fantasygenre vertraut bin, aber die Geschichte wirkt auf mich einfach nicht rund. Auch die einschlägigen Liedzitate aus aktuellen Charthits sind teilweise eher unnötig, und auch die Info im Quellenverzeichnis, wo man die Info wie man Feen fängt findet, dass weitere inhaltliche Stellen von Wikipedia entnommen sind, und die enthaltenen Zitate nicht etwa durch das fleißige Lesen von Literatur zusammengetragen wurden, sondern einer Zitateseite entnommen sind, wirkt viel mehr wie eine dilletantische Seminararbeit als ein professioneller Unterhaltungsroman.

Das einzig schöne am gesamten Buch ist leider nur das „aquarellige“ Cover, welches wirklich hervorragend zum Roman passt.

Bibliographie:
Titel: Der Tag an dem meine Schwester zur Dämonin wurde
Autor: Olga A. Krouk
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Preis: 8,99€
ISBN: 978-3-453-52860-4
Amazon: folgt

Advertisements

Ein Gedanke zu „Einmal Hamburg und nie wieder“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s