So richtig Horrorshow

Wenn Alex sich etwas in seinen Gulliver setzt, dann setzt er es in die Tat um, und so macht er mit seinen Drooks nicht nur, wie es sich für einen anständigen Maltschik gehört, seine Stadt unsicher, um an etwas Deng zu kommen in dem er alte Fecken tollschockt. Doch alles ändert sich, als er ausversehen eine alte Gina ermordet und von seinen Drooks der Millizent ausgeliefert wird.
Keine Sorge, der Rest der Rezension wird nicht weiter in Nadsat, dem fiktiven Jugendslang aus Anthony Burgess Roman „Clockwork Orange“, geschrieben.

Der Inhalt des Romans mag manch einem durch die gleichnamige Verfilmung des Kultregisseurs Stanley Kubrick aus dem Jahre 1971 bekannt sein, denn auch der Roman gestaltet sich inhaltlich ähnlich. Alex, der nichts als Flausen im Kopf hat kommt nach der Ermordung einer Frau ins Gefängnis. Um einer Strafe von 14 Jahren Haft zu entgehen meldet er sich freiwillig für ein Projekt zur „Heilung“ von Straftätern und beginnt dabei sich sowohl vor Gewalt und Sex als auch seiner Passion – der klassischen Musik, vor allem die des guten Ludwig van – zu ekeln.
Das was er einst seinen Opfern zugefügt hat, ist nun das, was ihn scheinbar zurück in ein gesellschaftliches System, in welches er nie hineinpassen wollte, holt. Er wird gezwungen sich zu fügen, ohne eine andere Chance zur Besserung zu erhalten.

Mit dem 1962 verfassten Roman „Clockwork Orange“ setzte der Autor Anthony Burgess ein Zeichen – nicht etwa das der Gewalt, sondern eines, vor welchem sich schon die frühen Avantgardisten Anfang des 20. Jhds. fürchteten – der Mensch, der unweigerlich zur Maschine mutiert.
Auch der Titel weist bereits unscheinbar auf dieses Thema hin: Das Uhrwerk als Symbol für eine Maschine, die Orange als Versinnbildlichung des Menschen, abgeleitet vom Wort Orang-Utan. Das Buch schockt keinesfalls weniger als der Film, nicht durch die schrecklichen Dinge die der jugendliche Protagonist verübt, sondern dadurch wie er auf eine Weise gezüchtigt wird, wie es wohl niemand für möglich halten würde…durch eine intermediale Manipulation seines Bewusstseins gegenüber seiner Umwelt und all den schrecklichen Dingen, die diese birgt.

Sprachlich komplex gestaltet sich auch der Stil, mit welchem der Autor den Leser in seinen Bann zieht. Anfangs eher schleppend lernt man den Jugendslang Nadsat kennen (ein Register hilft bei Verständnisproblemen), bei dem es sich um einen russisch angehauchten Dialekt handelt, der von Alex und seiner Bande gesprochen wird. Die Sprache wirkt beinahe onomatopoetisch kindlich, gleichzeitig komplex und ungewohnt, beinahe zeitlos wie der Roman selbst. Wer sich mit einer fiktiven Sprache nicht anfreunden mag sollte das Buch direkt aus der Hand legen, denn Nadsat dominiert die gesamte Geschichte.

Ist es in Ordnung einem Menschen eine gute Erziehung aufzudrängen? Oder soll man jedem die Freiheit lassen, die er selbst für richtig empfindet? Dies sind die Schlüsselfragen für den Roman, der keinesfalls leichte Kost ist.

Bibliographie:
Titel: Clockwork Orange
Autor: Anthony Burgess
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Preis: 7,99€
ISBN: 3453130790
Amazon: Clockwork Orange: Roman

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