Ein heißer Schuss in den Ofen

Wer immer schonmal ein Buch lesen wollte, in dem es neben einer naiven Liebesgeschichte auch noch um gewaltsamen Sex geht, hat bestimmt in den letzten Wochen zu dem ersten Teil der „Shades of Grey“-Trilogie der Selfmade-Autorin E.L. James gegriffen, die derzeit den Buchmarkt im wahrsten Sinne des Wortes dominiert.
Die Leserschaft spricht von einem heißen Roman, der wieder Schwung in die Ehebetten bringt…wahrscheinlich eher weil richtiger Sex spannender ist als dieser langweilige, nichtssagende Stapel Papier ist.

Der Inhalt des Romans ist schnell erläutert. Die schüchterne Jungfrau Ana Steele lernt den gutaussehenden Multimillionär Christian Grey kennen, der einen geheimen BDSM-Fetisch hat. Die beiden kommen zusammen, allerdings nicht auf die konventionelle Weise, denn er will Ana als seine Sklavin benutzen. Christian verliebt sich scheinbar in Ana und wird von einem „harten“ Bondagefetischisten zu einem schnurrenden Kätzchen.

Was birgt also dieser sogenannte Bestseller? Auf jeden Fall nicht das, was man vorerst erwartet. Sprachlich scheint die Autorin E.L. James das Textbausteinwerkzeug in ihrem Textverarbeitungsprogramm gefunden zu haben, sodass wir hier immerwieder von Anas „innerer Göttin“ (bei der man unweigerlich an Gilette-Venus-Rasiererwerbung denken muss) und von zuckenden Unterleibern lesen müssen, sodass man denken könnte, Ana leidet unter epileptischen Anfällen in ihrer Schoßgegend. Von den unglaublichen Fähigkeiten ihrer Medulla oblongata und postkoitalen Haaren soll hier nicht weiter die Rede sein.
Als eine Art Twighlight-Fanfiction hat sich dieses viel zu oft gekrönte „Meisterwerk“ seinen Weg in die Bücherregale gebahnt. Genauso sprachgewandt, nämlich einfältig und nicht sehr anspruchsvoll, hat James auch den Schreibstil der Autorin Stephenie Meyer kopiert…irgendwann hat man einfach die Schnauze voll von Christian Greys stahlgrauen Augen und Anas infantilen und naiven Gedanken zu lesen.

Eigentlich lässt sich der erste Teil dieses Dreiteilers komplett als „naiv“ bezeichnen, nicht nur im Zuge der Charaktergestaltung der 21-jährigen Literaturstudentin Ana, die dem geheimnisvollen Christian nach nicht einmal einer Woche ihre Unschuld schenkt, und bei seinem „Spielzimmer“, ja, das Zimmer in dem sich seine Sadomaso-„Folterwerkzeuge“ befinden, erstmal an einen Raum denkt, in dem eine x-box stehen könnte. Auch beim Lesen des Vertrages den Grey ihr im Rahmen ihres gemeinsamen Verhältnisses überreicht ist die kindliche und gerade entjungferte Ana nicht etwa von den genannten Praktiken wie bspw. Analfisting schockiert, sondern darüber, dass ihr „Geliebter“ sie tatsächlich jedes Wochenende als seine Untergebene bei sich haben will. Greys bevorzugte Sexpraktiken seien hier keineswegs kritisiert, vielmehr seine nicht vorhandene Konsequenz – so fängt er tatsächlich an bereits nach wenigen Tagen seine Grundsätze über Bord zu werfen und auch mal die Nacht bei Ana zu verbringen oder sich auf Blümchensex einzulassen. Langweilig.

Inhaltlich hat der Roman nicht viel zu bieten. Es geht um Sex, Anas Unentschlossenheit und Unwissenheit und nebenbei kommt dann doch ein wenig Liebesgeschwafel auf. Die Handlung kommt einfach nicht voran, sodass unsere Protagonistin ewig braucht um Greys Vertrag zu unterschreiben. Anstatt das etwas passiert gibt es eben wieder Sex.
Wer übrigens viel BDSM erwartet ist hier an der falschen Adresse, denn die Ausflüge in die Fetischszene sind maginal.
Lohnenswert ist dieses Buch jedoch auf eine einzige Art – wenn man es nicht ernst nimmt.

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7 Kommentare zu “Ein heißer Schuss in den Ofen”

  1. Was mir nicht so wirklich in den Kopf will: scheinbar wird Gray ja plötzlich lammfromm und BDSM ist kein Thema mehr. Und genau das finde ich unglaubwürdig. Entweder ich stehe auf solche Praktiken oder nicht, aber das ist doch nichts, was man mal eben abstreift wie eine Krankheit?!
    Deswegen werde ich das Buch wohl auch nie lesen, es ist aber immer wieder amüsant die Rezensionen dazu zu lesen 😉

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