Ein Schwein müsste man sein

Sneakreview zu „Das Schwein von Gaza“.
Kinostart: 02.08.2012

Jafaar ist ein erfolgloser palästinensischer Fischer, der mit seiner Frau Fatima in Gaza lebt. Er fängt nur kleine Fische und Müll, er hat nicht viel Geld und auf seinem Dach hocken israelische Soldaten.
Alles in Jafaars Leben scheint schief zu gehen, erst recht, als er nach einer stürmischen Nacht nichts anderes fängt als ein lebendiges Schwein. Er muss das Tier loswerden, denn in Palästina gelten Schweine als unrein, doch das erweist sich nicht gerade als einfach.

Jafaars Freund und Friseur Slim rät ihm das Schwein direkt auf dem Schiff zu erschießen und ins Meer zu versenken, und besorgt ihm extra dafür eine Kalaschnikoff. Nachdem der Fischer mit dem Maschinengewehr jedoch lieber rumspielt und nicht in der Lage ist das hässliche Tier umzubringen überlegt er sich etwas anderes: Er will es an die Israelis in einer nahegelegenen Siedlung verkaufen. Doch auch die Siedlerin Yelena will nicht das Schwein, sondern nur dessen Sperma um immerhin israelische Schweine zu züchten, auch wenn diese dort ebenfalls als unrein gelten.

Nachfolgend beginnt der Film „Das Schwein von Gaza“ zunehmend amüsanter zu werden, so trifft der Kinobesucher hier nicht nur auf spermatrinkende Polizisten, Telenovela-Liebende Soldaten, fingierte Attentatversuche und eine schicke Schafsverkleidung für das namenlose Schwein, sondern auch auf sympathische Charaktere, die zeigen, dass es auch in einem Konfliktgebiet wie dem Gazastreifen merkwürdige, chaosverbreitende Situationen gibt, die irrsinnig komisch wirken. Gerade durch die Ironisierung von sämtlichen Klischees glänzt der Film zunehmend mit Sympathie.

Der Film des französischen Regisseurs Sylvain Estibal mag auf den ersten Blick nicht wie eine typische Komödie wirken, vor allem, da der Israelkonflikt hier nicht tabuisiert wird. Dennoch zeigt „Das Schwein von Gaza“ neben vielen Schattenseiten der Landespolitik auf, dass es sich bei den Palästinensern keineswegs ausschließlich um gewaltbereite Selbstmordattentäter, sondern um ganz normale Menschen handelt, die mit der Konfliktsituation und der Armut zu kämpfen haben.

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Kurze eigene Meinung: Anfangs machte sich im Kino leider eine recht miese Stimmung breit, da viele wohl eher einen anderen Film in der Sneak Preview erwartet hätten, weshalb auch einige Kinobesucher frühzeitig den Kinosaal verlassen haben. Die, die geblieben sind, wurden mit einem wundervoll lustigen Film belohnt. Anfangs ist man wirklich nicht davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine Komödie handelt, da der Film zu Beginn eher ernst gehalten ist. Der Film gefällt dennoch durchgehend.

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