Ein stiller Dialog

Eine Rezension für die Chaoschallenge:
16. …lese ein Buch, auf dessen Cover eine blonde Frau ist.

Ingeborg Bachmanns Prosaroman „Malina“ ist in erster Linie eines – verwirrend. Innerlich mit der Zerrissenheit der namenlosen Protagonistin kämpfend, stellt dieser Roman für mich in erster Linie eine Leere da, die sich nicht nur durch die mögliche gespaltene Persönlichkeit des Hauptcharakters darstellt, sondern gleichzeitig mit dem Schicksal einer jungen Wienerin auseinandersetzt, die sich selbst als verrückt bezeichnet. „Wenn es anfängt ist die Welt schon durcheinandergekommen, und ich weiß, dass ich wahnsinnig bin.“

Die Protagonistin lebt in Wien in der Ungargasse. Hier stehen neben ihr zwei Charaktere im Vordergrund, nämlich der Ungar Ivan, der im Nachbarhaus wohnt, und ihr Mitbewohner Malina, ein Charakter der selbst eng mit der Protagonistin verknüpft ist (ob es sich bei Malina und der Protagonistin um eine Person handelt ist stets unklar).
Der erste von drei Teilen des Romans befasst sich in erster Linie mit dem Verhältnis zwischen Ivan und der namenlosen Protagonistin. Er liebt sie, dennoch können die beiden sich aufgrund von Ivans Auslandsaufenthalten nicht oft sehen. Bachmann gelingt es hier eine Beziehung zu schildern, die nicht auf Körperlichkeiten beruht, sondern eine dialogische und distanzierte Vertrautheit bezeugt, die zwar tiefgründig ist, aber gleichzeitig eine innere Leere vermittelt. Eine funktionierende Beziehung kann beinahe ausgeschlossen werden.

Im zweiten Kapitel, verpackt in einen grausamen Traum bestehend aus Angst, Verzweiflung und Vergewaltigung erfährt der Leser, wieso die Protagonistin so ist wie sie eben ist. Im Vordergrund steht hier ihr Vater, der die Familie verlassen hat und sich eine neue Frau gesucht hat. Gleichzeitig wird vermittelt, dass er es ist, der die Protagonistin scheinbar vergewaltigt hat, ob psychisch oder physisch ist erfährt der Leser nicht.

Dritter Teil, die Überwindung der Probleme in vielen Dialogen mit Malina. Ob eine Befreiung ihrer Probleme möglich ist? Nicht durch ihre Vergangenheit, die sich im vorherigen Kapitel erklärt hat. Alle Möglichkeiten ein normales Leben in einer ganz normalen Beziehung zu führen sind für die Protagonistin beinahe unmöglich. Ein metaphorischer Tod ist unausweichlich.

Die Autorin Ingeborg Bachmann (1926-1973) hat mit diesem Buch nicht einfach nur einen Roman vorgelegt sondern auch eine Autobiographie geschrieben. Nicht vollständig über sich, aber dennoch über einen Charakter, dem sie hätte entsprechen können. In Ivan lässt sich möglicherweise ihr ehemaliger Lebensgefährte Max Frisch finden.
Der Roman selbst wirkt wie ein distanzierter aber dennoch schwerwirkender Traum, in dem das Leben einer vom Schicksal gebeutelten Protagonistin schonungslos und fragemantarisch dargestellt wird. Das Spiel mit Metaphern und Allegorien dient der Verdeutlichung ihrer Existenz.
Der Prosaroman wirkt auf den ersten Blick ungewohnt, weil einem meist sehr viele Eindrücke geschildert werden, die der Leser vielleicht nicht immer auf Anhieb versteht, dennoch werden ganz klar Motive der Postmodernität verwendet – Ellipsen, Metaphern, Gedankeneindrücke.

—-

Kurze eigene Meinung:
Anfangs habe ich mich mit dem Roman sehr schwer getan… die Gedanken der Protagonistin und die Verhältnisse zu den anderen Charakteren haben sich mir zu Beginn nicht gänzlich erschlossen. Dennoch fasziniert Bachmanns Schreibstil ungemein.

Amazon: Malina. Roman.
Ingeborg Bachmann im Suhrkamp-Verlag

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s