Poe legt zu scherzen auf

Mit der doch sehr amüsanten und vor allem gesellschaftskritischen Kurzgeschichte „Streitgespräch mit einer Mumie“ hat sich Edgar Allan Poe wohl einen sehr lustigen Scherz erlaubt.
Alles fängt (mal wieder) mit einem namenlosen Protagonisten an, welcher an dem aktuellen Abend ausnahmsweise früh zu Bett gehen wollte. Doch dann wird er geradewegs von einem gewissen Dr. Ponnonner (welch ein Wortspiel „upon hour“) geweckt, der kürzlich die Erlaubnis bekommen hat einen vor 8 Jahren gefundenen Sarkophag zu öffnen, in dem sich eine Mumie befindet.
Unser Protagonist wird also, neben ein paar weiteren Personen die im archäologischen Bereich arbeiten, gerufen, um dieses Spektakel mitzuerleben.

Wie sich herausstellt trägt die Mumie sowohl noch ihr Gehirn (welches traditionell durch die Nase entfernt wurde) sowie sämtliche Gedärme immer noch in ihrem Körper. Als die Forscher, beinahe spaßeshalber, die Mumie unter Strom setzen, schaffen sie es tatsächlich den bereits totgeglaubten Mann, der sich als Allamistakeo (All a mistake, o!) vorstellt, wieder zum Leben zu erwecken.
Der Totgeglaubte erzählt, dass er aus der Familie des „Skarabäus“ stammt, einen hochangesehenen Sippschaft der ausnahmsweise nach dem Tode nicht die lebenswichtigen Organe entnommen werden. Allamistakeo berichtet, dass er damals nicht tot war sondern an der sogenannten Starrsucht litt, und irrtümlich bereits einbalsamiert wurde, was ihn praktisch über viele Jahrtausende hinweg erhalten hat.

Die Forscher beginnen von den technischen Neuheiten ihrer Zeit zu prahlen, doch Poe lässt seine Mumie hier ganz geschickt mit einem Kontra reagieren: Allamistakeo erklärt nämlich, ganz überheblich, dass es all diese „Neuheiten“ schon vor 5000 Jahren in Ägypten gegeben habe, so beispielsweise Eisenbahnen oder das politische System des Staatenbundes in Nordamerika. Hiermit gelingt dem Autor eine grandiose gesellschaftskritische „Abhandlung“ gegen die überheblichen Amerikaner und ihren Fortschrittsglauben. Das  Einzige, was die neuzeitlichen Amerikaner haben, was selbst die Mumie aus Unkenntnis fasziniert, sind die sogenannten „Pastillen“. Hier kann sich der Leser indirekt wieder einer gesellschaftlichen Kritik stellen, denn so wundervoll letztere Erfindung auch sein mag – ob sie Gefahren birgt ist unsicher.

Abschließend beschließt der Protagonist, sich selbst einbalsamieren zu lassen, um herauszufinden wer im Jahre 2045 (200 Jahre später) der amerikanische Präsident ist.

Edgar Allan Poe glänzt in dieser Kurzgeschichte mit sehr viel Witz und glaubwürdigen, wenn auch kritischen, Ansichten und Aussagen. Gerade da die Ägypter im Altertum als fortschrittlichstes Volk galten und meisterhafte Rechenkünstler waren, zieht den Fortschrittsglauben der Amerikaner ins Lächerliche. Bereits die Namen der Figuren Dr. Ponnonnor und Allamistakeo deuten an, dass diese Geschichte den Amerikaner aufs herrlichste parodiert.

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