Den Kopf ihr ab

Ein Buch-/Filmvergleich.

Die Geschichte rund um Alice und das Wunderland ist in den letzten Jahren vor allem wieder durch Tim Burton’s Verfilmung aus dem Jahr 2010 in das Gedächtnis der Leute gerückt. Besonders in 3D konnte man die Erlebnisse des jungen 16-jährigen Mädchens mitverfolgen und sich in die mit vielen wundervollen Details gestalteten Figuren des „Märchens“ verlieben. Abgesehen von den wiederkehrenden Figuren und Motiven aus dem Original von Lewis Carroll aus dem Jahr 1864 verfolgen jedoch beide Geschichten eine vollkommen eigenständige Handlung.


Das Original liegt in 2 Bänden vor: Alices Abenteuer im Wunderland und Durch den Spiegel und was Alice dort fand. Die Protagonistin Alice ist in den beiden Geschichten 7 bzw. 7,5 Jahre alt, wogegen Burton’s Alice bereits 16 Jahre alt ist und vor ihrem zukünftigen Verlobten flüchtet. Bei Carroll folgt Alice dem weißen Kaninchen aus Neugierde in den Hasenbau, in der Fortsetzung gelangt die Protagonistin durch einen Spiegel in eine andere Welt.
Die Figuren aus Burtons Disney-Verfilmung entsprechen in etwa denen, die wir auch in der Originalvorlage finden…in diesem Fall sind das unter anderem die Herzdame/schwarze Königin, der verrückte Hutmacher, das weiße Kaninchen, der Dodo, die rauchende Raupe (Absolem), der Märzhase so wie die Haselmaus und die Grinsekatze. In der Fortsetzung tauchen zudem noch die Figuren der weißen Königin, Humpti Dumpti, Dideldum und Dideldei auf.
In den Buchvorlagen trifft der Leser auf noch viele weitere Figuren, die im Film nicht vorgestellt werden, gleichzeitig hat auch Burton neue Charaktere in die Handlung eingepflegt. Die Rahmenhandlung selbst wurde von dem Regisseur des Films stark abgeändert, Alice scheint hier in der Wunderwelt eine Bestimmung zu haben, denn sie soll das Monster der Herzdame – den Jabberwocky – bekämpfen, um so das Land von der Tyrannei der Herrscherin zu befreien. Bei Lewis Carroll hingegen lernt Alice die Wunderwelt bzw. die Spiegelwelt ohne nähere Aufgabe kennen (die einzige Aufgabe findet sich im 2. Band, in dem sie über ein Schachfeld vom Bauern zur Dame werden soll)…sie spricht mit den Charakteren, lässt sich von ihnen verwirren und gleichzeitig in verbflüffende Erlebnisse hineinreißen.

Was die aktuelle Verfilmung ausmacht ist in erster Linie die Charakterzeichung der Wunderwelt-Gestalten…die Wesen bekommen eigene Charakterzüge, die in erster Linie sympathisch wirken. Bei Carroll hingegen bekommt der Leser lediglich die negativen Charakterzüge gezeigt, eine Identifikationsmöglichkeit ist nicht vorhanden, praktisch alle Wesen sind gemein, verrückt und beleidigend. Dennoch ist es schade, dass Tim Burton in seiner Verfilmung so wenig auf die Buchvorlage eingegangen ist, und mehr auf einen dramatischen Actiongehalt geachtet hat (was in diesem Film ganz klar notwendig war um möglichst viele Zuschauer in die Kinos zu locken). In erster Linie sollte man dennoch beide Varianten, die des Films und die des Buchs als eigenständige Werke betrachten, mit Rücksicht darauf, dass Lewis Carroll das Original geschrieben hat. Die Bücher lesen sich wunderbar, auch wenn man dem Film nichts abgewinnen konnte. Die Bücher sind sprachliche Meisterwerke, in denen der Autor mit vielen Redewendungen und -arten spielt, merkwürdige Gedichte rezitiert und Fantasiesprachen entwickelt. Zudem erhält der Leser visuelle Eindrücke des Geschehens, da es zu jedem Kapitel entsprechende Zeichnungen gibt, die John Tenniel 1865 dem Werk Carroll’s hinzugefügt hat.

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