Von der Ästhetik der Tragik

Arthur Schnitzlers Monolognovelle „Fräulein Else“ begleitet die Gedankenwelt einer jungen Protagonistin.

Else ist 19 Jahre alt und stammt aus der gehobeneren Klasse der Wiener Gesellschaft. Sie befindet sich im Urlaub, als sie ein Telegramm ihrer Mutter ereilt, in welchem sie darum gebeten wird den Kunsthändler Herrn von Dorsday nach einem Darlehen für ihren Vater zu erfragen, da dieser Spielschulden von 30.000 Gulden hat.
Else, die sich direkt Gedanken darüber macht, welchen fleischlichen Preis sie Herrn von Dorsday für diese gute Tat zu zahlen hat, schwankt nun zwischen der Last sich ihrem Vater aufzuopfern und dem Suizid den sie zu begehen wünscht anstatt von Dorsday eine „Bezahlung“ für sein Darlehen zu erstatten.

Von Dorsday wünscht die Protagonistin für eine halbe Stunde nackt zu sehen, und verspricht danach die Schulden ihres Vaters zu tilgen. Else, die sich daraufhin vollkommen verrückt macht, und über den Kunsthändler empört ist, weiß sich nicht zu helfen und beschließt ihrem Vater diesen Gefallen zu tun. Nach ihrer Zusage gerät die junge Fraue jedoch ins Zweifeln. Ist es das richtige was sie getan hat? Wird Herr von Dorsday ihr vielleicht noch schlimmeres antun?
Else bereitet bereits das Schlafmittel Veronal vor, mit welchem sie gedenkt sich im Nofall umzubringen, kleidet sich nach dem Abendessen nur in einen schwarzen Pelzmantel (darunter trägt sie natürlich nichts) und sucht Herrn von Dorsday, den sie schließlich im Musikzimmer vorfindet.
Darauffolgend fällt sie offensichtlich in eine Scheinohnmacht, wird von den Anwesenden in ihr Zimmer getragen und greift in einem unauffälligen Moment zu dem Vironal, der sie scheinbar in tiefe erlösende Träume fallen lässt. Ob sie stirbt bleibt bis zum Ende unklar.

Diese Novelle, geschrieben von Arthur Schnitzler im Jahre 1924, ist eindeutig der Wiener Moderne bzw. dem Ästhetizismus zuzuschrieben. Sie zeigt nicht nur den Konflikt mit Elses innerer und äußerer Existenz, sondern auch ihre verwirrenden Gedankengänge auf, die sich mit ihrem Dasein als Frau sowie dem Frauenbild jener Zeit auseinandersetzt. Sie will sich emanzipieren, schafft es jedoch nicht vollkommen. Die Protagonistin stammt aus einer höheren Gesellschaft, Geld ist hier alles, und genau so ist das Geld bzw. die Schulden ihres Vaters der ausschlaggebende Grund, wieso sie in diese missliche Lage gelangt. Der Respekt vor Elses Vater, und vor allem die Angst, dass ihm etwas schlimmes zustoßen könnte lässt sie Dinge tun, die eindeutig der Prostitution nahe kommen, und so ist es klar, dass Else Gewissensbisse bekommt.
Die Novelle an sich ist mit viel Anstrengung zu lesen, da Elses Monologe teilweise sehr springend und vor allem voller lebhafter Entrüstung sind, gleichzeitig verschafft dieser Schreibstil der Novelle jedoch eine gewisse Authentizität.

Bibliographie: Schnitzler, Arthur (1924): Fräulein Else. Hg. von Johannes Pankau. Stuttgart 2002.

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