Ein Geist geht um

Der fromme Leser der Trivialliteratur mag vielleicht schon die ein oder andere Geistergeschichte gelesen haben, bei der sich der Leser immer wieder an klassischen Gruselelementen begeistern kann. Auch in den sogenannten Gothic Novels sind Gespenster eher böswilliger Natur, sodass der Leser noch das Gruseln lernt.
Anders aber in der 1887 von Oscar Wilde verfassten Erzählung „Das Gespenst von Canterville“, einer Art Kurzgeschichte die sich mit dem Dasein eines Geistes in einem britischen Anwesen befasst.

Zum Inhalt:
Die amerikanische Familie Otis, bestehend aus dem Sohn Washington, der Tochter Virginia und einem Zwillingspaar, kauft das in Großbritannien liegende Anwesen der Cantervilles. Sie werden gewarnt, dass es in dem Haus spuke, jedoch nehmen sie diese Behauptung lediglich als Scherz auf. Zwar existiert jenes Gespenst, dennoch fürchtet sich die Familie Otis kein bisschen vor diesem…jedes Mal wenn der Geist, Sir Simon, die Familienmitglieder erschrecken will, geht dieser Versuch nach hinten los und das Gespenst ist letztendlich das was sich fürchtet.
Lediglich zu Tochter Virginia findet Sir Simon eine engere Verbundenheit, nicht zuletzt als sie ihm hilft seinen Frieden zu finden.

Die Geschichte an sich mag simpel wirken und auch für Kinder gut verständlich, dennoch birgt sich hinter der Erzählung eine Art Gesellschaftsgegenüberstellung…die der Briten und die der Amerikaner. Der Brite altertümlich und traditionsbewusst ist natürlich der, der vor dem Gespenst warnt und selbst nur schlechtes und grausames in ihm sieht, so wie es auch Bestandteil der britischen Gothic Novel ist. Der Amerikaner hingegen ist der, der Gespenstermythen keinen Glauben schenkt, und den Spuk nicht ernst nimmt. Alte und Neue Welt treffen also unweigerlich aufeinander. Das Gespenst wird von den Otis‘ nicht als gefährlich oder furchterregend wahrgenommen sondern als selbstverständlich, so macht sich der irische Autor nicht zuletzt über den Aberglauben und konservative Sichtweisen der Briten lustig.
Amazon:Das Gespenst von Canterville.

Advertisements

2 Kommentare zu „Ein Geist geht um“

  1. Das war wirklich eine wunderbare Geschichte. Lustig und irgendwie traurig zugleich.
    Ich finde die Interpretation mit dem Aufeinanderprallen von den verschiedenen Weltanschauungen auch sehr interessant!

    1. ja, ich muss sagen die Geschichte war wirklich toll 🙂 also ich hatte das Büchlein auch nur aus Zeitvertreib am Bahnhof gekauft, als ich noch auf einen Anschlusszug warten musste.
      Schön, dass dir meine kurze Interpretation gefällt 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s