Naziinvasion vom Mond

Was wäre, wenn die Nazis im 3. Reich damals tatsächlich UFOs in der Antarktis gebaut hätten und den Mond besiedelt hätten?
Dann wäre mit Sicherheit das passiert, was die finnisch deutsche Produktion des Films Iron Sky unter der Regie von Timo Vuorensola dem allgemein aufgeschlossenen Kinopublikum darbieten will.

Als eine US-Amerikanische Raumsonde die Nazibasis auf der dunklen Seite des Mondes entdeckt ist es bereits zu spät, einer der Astronauten wird umgebracht, der andere – der im Übrigen dunkelhäutig ist- wird verschleppt. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf, denn nachdem sie erst den Astronauten durch den Albinisierer zu einem hellhäutigen Mann gemacht haben, entdecken sie sein iPod, mit dem die Nazis es tatsächlich schaffen ihre größte Waffe, die „Götterdämmerung“ laufen zu lassen – bis der Akku kläglich versagt.
Der Autrag ist klar, es müssen mehr dieser machtvollen Computer her, und so begibt sich der Nazioffizier Klaus Adler mit dem Astronauten James und der zauberhafen Lehrerin Renate Richter auf die Erde.

Iron Sky Banner
Der Humor des Films ist eindeutig Geschmackssache, wer Iron Sky zu ernst nimmt wird mit einem langweiligen Film bestraft, der dem kritischen Betrachter weder lustig noch originell erscheint.
Wer sich auf den klischeedurchtränkten Humor einlässt wird sich hier herrlich amüsieren. An Symboliken wird nicht gespart, so bekommt man nicht nur Wagners Walkürenritt in neuer Umsetzung von Laibach (die insgesamt für den Soundtrack des Films zuständig waren) zu hören, sondern wird auch mit Geräten wie dem Reichsrechner, einem Wissenschaftler der Albert Einstein verblüffend ähnlich sieht, und Charly Chaplins „Der große Dikator“ konfrontiert.
Jedes noch so kleine Klischee wird verwendet um nicht nur über Nazis sondern auch die US-Regierung und sogar die UNO herzuziehen.

Insgesamt lohnt sich ein Kinobesuch für Leute, die sich schon über den Nazi Humor der norwegischen Produktion „Dead Snow“ amüsiert haben (auch wenn Iron Sky bei weitem nicht so trashig ist). Der Humor ist dennoch sehr eigenwillig. Der Film bietet Abwechslung und viele ganz gute Lacher, die bisher noch nicht in anderen Filmen verarbeitet wurden.

(f)

Neuzugang und Promo

So, nachdem der Blog nun um ein paar wenige Artikel reicher ist, hat Vitrinenglas auch gleich Verstärkung bekommen. Ab sofort wird sich Phil um die noch nicht behandelte Filmrubrik kümmern und ab und an (so wie es sein Studium zulässt) ein paar Filmempfehlungen aussprechen und rezensieren.

Zudem bekommt der Blog demnächst ein neues Design verpasst, um die Fusion von Film und Literatur noch ein wenig mehr zu verdeutlichen. Wie das ganze dann am Ende aussieht weiß noch niemand, von daher: einfach überraschen lassen.

Als dritte und somit letzte Ankündigung, möchte ich noch kurz die frisch erstellten google+ und facebook Seiten vorstellen, auf denen es zukünftig noch aktuelle Neuigkeiten auf einen Blick geben wird. Ein bisschen promo muss ja sein 😉

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Radfahrender Geschichtsdozent trifft Indiana Jones

Achtung! Folgenden Text habe ich für eine Anmeldung für einen Kurs für literaturkritisches Schreiben an der Philipps-Universität Marburg (SS2012) angefertigt. Sollte mein Seminarleiter den Text hier finden: doch den hab ich selbst geschrieben und nicht von dieser Seite geklaut 😉 Und nein, die Rezension ist nicht perfekt…but who cares?

Die Jagd auf Müller hat begonnen

Alle suchen sie nach Atlantis, und wenn ihnen das zu langweilig wird befassen sie sich eben mit Troja. Dr. Richard Romanoff, seines Zeichens freier Historiker, Dozent und Artefakt-Jäger mit einer politisch recht einschlägigen Vergangenheit, langen Haaren und übernatürlicher Körpergröße, ist dieses Thema leid. Dennoch muss er sich zwangsweise wieder mit dieser Thematik befassen als er von seinem Kunden, dem Anwalt Peter Welsch-Gruinert, engagiert wird den Todesfall seines Freundes Gunter Steenbergen zu untersuchen. Für den Anwalt ist klar, die CO²-Vergiftung des Umweltmanagers am Totenmaar war kein Unfall, es war Mord.

So ungewöhnlich der Ermittler in diesem skurrilen Krimi ist, so nah ist der Leser auch dem Mörder – Müller genannt – auf der Spur. Doch wer ist Müller, und wieso hat er es sich ausgerechnet zur Aufgabe gemacht einen Umweltmanager geschickt mit Kohlenstoffdioxid in einem pfälzischen Vulkangebiet zu ermorden? Eines ist klar, Müller ist ein unauffälliger IT-Mitarbeiter eines Energiekonzerns und weiß wie er Menschen in seiner Umgebung täuschen kann, sodass selbst Romanoff sich dem Übeltäter unmittelbar nähert aber ihn dennoch nicht enttarnt. Monika Geiers „Müllers Morde“, 2011 erschienen im Argument Verlag, handelt nicht einfach nur von einem sinnvoll kalkulierten Mord sondern gleichzeitig von der Planung eines schweren Kapitalverbrechens und der stets existierenden Frage, was Müller will, wieso er mordet und ob Romanoff es wirklich schafft ihn zu finden und festnehmen zu lassen.

Die Autorin schafft die Möglichkeit sowohl die Handlungen des Ermittlers als auch die des Mörders zu verfolgen, sodass der Leser sich ganz klar vor Augen führen kann, wie nah die beiden einander sind, ohne, dass diese es auch nur erahnen können. Über Müller erfährt der Leser im Verlauf des Buches kaum persönliche Details, er bleibt stets der „Unbekannte“, dessen Name natürlich nicht nur Müller ist, und der nach und nach versucht seine Spuren zu verwischen, um den Todesfall Steenbergens auf keinen Fall auf sich zu lenken. Das Einzige was wir nach und nach über Müller erfahren ist, dass er für dieselbe Firma arbeitet wie sein Opfer, und gleichzeitig unglaubliche Hackerfähigkeiten an den Tag legt. Müller arbeitet gekonnt ohne auf sich aufmerksam zu machen, er ist unscheinbar – wie sein Name. In einigen Textpassagen trifft der Leser auf einige interviewartige Sequenzen, die ein Interview zwischen Müller und einem Unbekannten darstellen – hier erfährt man etwas mehr über Müllers Absichten und einen Teil seiner Persönlichkeit.

Von Romanoff erfährt der Leser jedoch viel mehr, vor allem über sein Leben und seine Lebensansichten, seine Vergangenheit und seinen Beruf, was ihn in diesem Fall sehr sympathisch macht, gerade da er in diesem Kriminalroman einen eher untypischen Ermittler darstellt.

Die Autorin Monika Geier greift in Müllers Morde nicht nur das immer wiederkehrende Thema der versunkenen Stadt Atlantis auf, sondern setzt sich gleichzeitig auch mit der Aktualität der Umweltpolitik, ihren Gefahren und einer gefährlichen Intrige in einem Energiekonzern auseinander, eine Thematik mit der sie sich im Bereich der Belletristik auf recht neues Terrain begibt. Gleichzeitig schafft Geier es, durch den Perspektivwechsel von Ermittler/Mörder eine unglaubliche Spannung aufzubauen und den Leser in ihren Bann und den der Geschichte zu ziehen.

Das Buch selbst liest sich sehr flüssig und ist auch für den Laien der nicht viel von Umweltpolitik oder Emissionspapieren versteht gut verständlich. Von Beginn bis hin zum Ende des Buches verfolgt die Autorin eine klare, spannende und vor allem gut konzipierte Linie, bei welcher der Ermittler Romanoff es zwar schafft, Müller zu Beginn der Erzählung sehr nahe zu kommen, diese heiße Spur jedoch nicht verfolgt – Geier schafft es so den Leser permanent an das Buch zu fesseln, bis er der Lösung des Falls wieder nahe kommt und den vermeintlichen Mord aufklären kann.

Bibliographie: Geier, Monika: Müllers Morde. Argument Verlag. Hamburg 2011.
Direkt hier bei Amazon: Müllers Morde

Projekt Gutenberg

Nachdem ich letztes mal schon ein wenig auf klassische Literatur eingegangen bin, und auch ein paar wenige Titel genannt habe, die ich als lesenswert empfinde, möchte ich hier das Projekt Gutenberg vorstellen.

Gutenberg gilt als europäischer Erfinder des sogenannten Wiegendrucks (Inkunabeldrucks) und hat die Buchkultur mit beweglichen Lettern revolutioniert. Und was ist Projekt Gutenberg? Ganz einfach, es ist nämlich ein Projekt vom Spiegel, in welchem unglaublich viel Literatur direkt und kostenfrei abgerufen werden kann.
Auf der Seite http://gutenberg.spiegel.de/ findet man nicht nur Goethe, Tieck oder Kant sondern auch klassische Literatur, bspw. von Sophokles, Platon und Homer. Das „Nachschlagewerk“ ist besonders praktisch für schnelles Nachschlagen, oder auch durchlesen von Texten die für das Studium benötigt werden.

Für Leute die gerne etwas „handfesteres“ für unterwegs haben wollen, gibt es die Möglichkeit das gesamte Projekt Gutenberg als DVD oder auf einem USB Stick zu bestellen. Der Preis von 30,90€/39,90€ ist meiner Meinung nach vollkommen gerecht.

Hochliteratur heute

Goethe, Schiller oder sogar Kafka werden heutzutage von den meisten jungen Menschen wenn überhaupt noch als Schulliteratur wahrgenommen. So war es damals zumindest bei mir,ich kenne nämlich wahrhaftig niemanden in meinem Alter, der sich heute noch mit klassischer oder klassizistischer Literatur auseinandersetzt (außer er studiert Germanistik, da haben wir bei uns im Studiengang zumindest ein paar wenige Leute, die auch im Alltag Hochliteratur lesen).

Als ich in den letzten Semesterferien für einige Tage meine Eltern besucht habe, bin ich dann auch tatsächlich mal wieder mit meiner Mutter und meiner Schwester zu Dodenhof, einem großen Einkaufszentrum, mitten in der norddeutschen Pampa liegend, und neuerdings mit ganz vielen neuen Geschäften ausgestattet, gefahren. In dem Einkaufszentrum gibt es nun seit kurzem auch einen Thalia (jene ominöse Buchladenkette, die angeblich Scientology angehören soll).
Da ich aktuell wieder relativ viel lese, kamen wir natürlich an dem Thalia nicht vorbei, ohne durch die vielen Bücherregalreihen zu gehen…

Erster Stopp im Buchladen war natürlich direkt bei den Thrillern und Horrorbüchern, denn es gibt für mich nichts spannenderes als abends oder auf Zugfahrten einen guten Psychothriller zu lesen…mein Ziel war klar, ich wollte noch ein paar mehr Bücher von Sebastian Fitzek finden (ein, meiner Meinung nach grandioser deutscher Autor). Prompt nahm ich mir die beiden einzigen Thriller von Fitzek die dieser Thalia führte und die ich noch nicht gelesen hatte aus dem Regal und war mir sicher, dass mich diese beiden Bücher genauso packen würden, wie zB der Seelenbrecher, oder der Augensammler/Augenjäger.

Nachdem ich mir bereits 2 Bücher ausgewählt hatte, wollte ich mir danach auch noch ein wenig klassische Literatur zulegen (nicht etwa für’s Studium, sondern auch, weil ich Spaß am Lesen älterer Werke habe). Ich suchte also den kompletten Thalia Buchladen durch, und fand…rein gar nichts. Zumindest nichts klassisches…stattdessen stand ich vor einer Kinderspielwarenecke und blickte meine Mutter an, welche auf meine Frage, ob es hier auch Hochliteratur gäbe ein „sowas liest eben heute keiner mehr“ erwiderte.
Es gab in diesem ganzen Buchladen nicht einmal eine Ecke mit Reclamausgaben…auch literaturwissenschaftliche Bücher waren hier eher Mangelware.
Ich nehme einfach mal an, dass Thalia solche Literatur einfach nicht im Sortiment hat, weil sie sich heute nur noch sehr schlecht verkauft…Leute wollen Vampirromane und kitschige Liebesgeschichten, Kriminalromane und lustige Belletristik…schade, wirklich.

Es gibt wundervolle Werke aus vergangenen Jahren, die auch für „Laien“ wundervoll verständlich und keinesfalls zu alt sind um sie als langweilig zu empfinden. Hier einmal ein paar Werke, die ich selbst schon gelesen habe, und die ich wärmstens empfehlen kann (gerade da sie wirklich nicht teuer sind, und sich ein Kauf somit in jedem Fall lohnt).

Traumnovelle
Der Sandmann
Die Verwandlung: Leipzig 1916
Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie: Eine Kindertragödie. Zürich 1891
Tonio Kröger / Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis.

Die Diskussion zu „Was gesagt werden muss“

Das kürzlich von Günter Grass veröffentlichte Gedicht „Was gesagt werden muss“ ging in den letzten Tagen durch die Medien wie keine andere literarische oder politische Publikation.
Ich habe die Diskussion die letzten Tage mitverfolgt und mich auf dem laufenden gehalten, nicht nur, weil Günter Grass Literaturnobelpreisträger ist, sondern auch, weil er eine einschlägige Vergangenheit in der Waffen-SS hatte (was ja selbst schon vor einigen Jahren zu einem Skandal geführt hat).

Keine Frage, Werke wie „Die Blechtrommel“ zählen als literarische Meisterwerke, dennoch rückt das veröffentlichte Gedicht den Autor in sehr schlechtes Licht.

Link zu dem Gedicht

Das, was für viele Menschen auf den ersten Blick als fremdenfeindliches Statement gesehen wird (selbst wenn Grass beteuert selbst viele Juden zum Freund zu haben), wirkt in meinen Augen viel mehr als Statement zum Schicksal des Deutschen in der Gegenwart. Es geht meiner Meinung nach nicht alleine darum, dass es einen Krieg zwischen Israel und bspw. dem Iran geben wird, sondern darum, dass es einem Deutschen heutzutage nicht mehr erlaubt ist, seine eigene kritische Meinung gegenüber einem (jüdischen) Staat offen kundzutun und diesem Staat etwas vorzuwerfen, was möglicherweise sogar eintreffen könnte.
Es geht darum seine eigene Meinung zu sagen, eben das, was gesagt werden muss.
Sicherlich wäre das Gedicht nicht so auf Widerstand geprallt, wenn Grass sich eine andere politische Thematik, bzw. eine, die nicht so aggressiv gegen Israel vorgeht, ausgesucht hätte.

Hellseherei trifft auf Serienmörder

Der Augensammler spielt ein raffiniertes Spiel mit seinen Opfern, und bisher hat auch noch niemand herausgefunden, um wen es sich bei diesem Serienmörder handelt. Er bringt Mütter um, entführt ihre Kinder und gibt deren Vätern ein Zeitlimit, um diese zu finden und zu befreien.
Alexander Zorbach ist ehemaliger Polizist und arbeitet aktuell als Journalist für eine Berliner Zeitung. Als er eines Tages mit seinem Sohn Julian für wohltätige Zwecke ein städtisches Krankenhaus besuchen will, merkt, dass sein Portemonaie verschwunden ist, und sich daraufhin zurück zu seinem Auto begibt, um dieses zu suchen, ahnt er nicht, dass er in wenigen Sekunden den Polizeifunk hören wird, der ihn später selbst zum Hauptverdächtigen macht.

Auf der späteren Flucht vor der Polizei trifft er „zufällig“ auf die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriew die -angeblich- in ihrer Praxis auf den Augensammler gestoßen ist, und anhand einer Berührung seine bisher verübten Taten nacherleben konnte.

So unrealistisch der Einstieg in Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“ scheinen mag, so dramatisch und kalkuliert wird der Leser in eine mörderische Geschichte katapultiert. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen, ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, weil nach jedem (doch recht kurzen Kapitel) die Lust da war zu erfahren, wie es weiter geht, und ob Alexander Zorbach es schafft, vor Ablauf des Zeitlimits die Opfer des Augensammlers zu befreien. Durch die countdownartige Seitenzählung wird dem Leser klar, dass er der Lösung des Falles immer näher kommt.

Die Geschichte begeistert von Beginn bis zum Ende, auch wenn die Ermittlungen Zorbachs stets auf Mutmaßungen basieren. Selbst er schafft es nicht der „sehenden Blinden“ vollkommen zu vertrauen und dennoch ist es die einzige Möglichkeit etwas über den Augensammler in Erfahrung zu bringen. Auch die Tatsache, dass Alina Gregoriev die Vergangenheit durch bloße Berührung sehen kann scheint zwar zunächst eher wie ein Hirngespinst, um den Mysteryfaktor anzuheben, dennoch birgt ihre Fähigkeit ein böses Geheimnis.

Dieser Psychothriller, fortgesetzt mit „Der Augenjäger“ bietet Spannung pur, und sollte ganz dringend gelesen werden.

Hier gehts zum Buch bei Amazon.de Der Augensammler: Psychothriller

Bib: Fitzek, Sebastian: Der Augensammler: Psychothriller. München 2010.